Aktive ETFs Was Investoren jetzt prüfen — und was das Fenster noch offen hält

Benedikt von Albedyll, Thorsten Heymann und Nils Felten (v.l.) von Deloitte.

Benedikt von Albedyll, Thorsten Heymann und Nils Felten (v.l.) von Deloitte: „Investoren sollten nicht blind der Popularität des ETF-Vehikels folgen." Bildquelle: Deloitte

ETFs zählen längst zu den prägendsten Entwicklungen im Portfolio-Management. Mit aktiven ETFs gewinnt nun die nächste Evolutionsstufe des Vehikels an Bedeutung. Immer mehr Asset Manager übertragen aktive Strategien in das börsengehandelte Format und schaffen damit neue Möglichkeiten für das Private Banking. Aktive ETFs verbinden die strukturelle Effizienz und Handelbarkeit des ETF-Vehikels mit der Steuerungsleistung aktiver Manager. Für Wealth Manager entsteht damit ein modernes Instrument, das sich präzise in Mandate und Advisory-Modelle integrieren lässt.

Warum aktive ETFs jetzt relevant sind

Aktive ETFs entwickeln sich zunehmend zu einem zentralen Baustein eines zeitgemäßen Wealth-Management-Angebots. Sie treffen den Bedarf vieler Anleger nach liquiden und flexibel einsetzbaren Lösungen, ohne auf aktives Risikomanagement verzichten zu müssen. Gleichzeitig reagieren Asset Manager auf rückläufige Mittelzuflüsse in klassischen Fonds, indem sie ihre Kernexpertise in einem modernen, stark nachgefragten Format anbieten.

Diese Entwicklung wird durch klare operative Vorteile des ETF-Vehikels getragen. Transaktionskosten im Anteilscheingeschäft werden externalisiert, die Investitionsquote strukturell erhöht und die Preisbildung erfolgt marktgestützt. Für Private-Banking-Portfolios ermöglicht dies eine effizientere Umsetzung aktiver Mandate.

Strukturelle Vorteile und Grenzen des ETF-Vehikels

Die Vorteile von ETFs sind im Kern struktureller Natur und unabhängig von der jeweiligen Anlagestrategie. Sie resultieren aus der Funktionsweise des Anteilscheingeschäfts, das die Preisbildung im Fonds und am Markt effizient miteinander verknüpft.

Sogenannte Authorized Participants sind die einzigen Marktteilnehmer, die ETF-Anteile direkt mit dem Fonds handeln. Auf Basis transparenter Portfolios stellen sie fortlaufend Preise und gleichen Abweichungen zwischen Marktpreis und innerem Wert über Arbitrage aus. Dadurch bleibt die Preisbildung eng am Nettoinventarwert, während Investoren gleichzeitig von der Intraday-Handelbarkeit profitieren.

 

Ein wesentlicher Vorteil liegt zudem in der Behandlung von Transaktionskosten. Diese verbleiben nicht im Fonds, sondern werden durch die Marktaktivität der Authorized Participants in der Preisbildung abgebildet und spiegeln sich im Spread am Markt wider. Bei ausreichender Liquidität sind sie für Investoren kaum wahrnehmbar. Gleichzeitig werden Verwässerungseffekte vermieden und Investitionsquoten strukturell erhöht.

Damit entsteht ein besonders effizientes Umsetzungsvehikel für liquide Anlageuniversen, dessen Vorteil sich insbesondere bei regelmäßigen Zu- und Abflüssen gegenüber konventionellen Fonds zeigt. Hier werden jedoch auch die Grenzen der Vorteilhaftigkeit sichtbar: Für Strukturen mit geringen oder unregelmäßigen Mittelbewegungen verlieren diese Vorteile an Bedeutung. Zwar wird das ETF-Format häufig mit geringeren Kosten assoziiert, jedoch ist es entlang der Wertschöpfungskette nicht per se kostengünstiger.

Da Authorized Participants nicht direkt über den Fonds vergütet werden, generieren sie ihre Erträge über Arbitrage- und Handelsaktivitäten. Die damit verbundenen Kosten spiegeln sich in der Preisbildung der ETF-Anteile wider – insbesondere in weniger liquiden Segmenten oder bei geringem Wettbewerb kann sich dies in breiteren Spreads niederschlagen.

Investoren, die aktuell ihre Allokationsentscheidung überarbeiten, sollten daher differenzieren und nicht blind der Popularität des ETF-Vehikels folgen. Für liquide Publikumsfonds mit ausreichenden Zu- und Abflüssen spricht die Struktur des ETF-Vehikels strukturell für eine effizientere Umsetzung – eine Prüfung der Umschichtung erscheint sinnhaft. Dahingegen sind generell alle offenen und geschlossenen Spezialfonds, Mandate und offene Publikumsfonds ohne ausreichende Zu- und Abflüsse ungeeignet für das ETF-Format.

Von den in Deutschland verwalteten 4,8 Billionen Euro liegen derzeit rund 1,8 Billionen Euro in offenen Publikumsfonds, was das theoretische Marktvolumen für ETFs darstellt (Quelle: BVI, 12/2025). Offen bleibt, wie viel Prozent des aktiv verwalteten Vermögens – Aktien: 66 Prozent, Anleihen: 90 Prozent – in den ETF-Wrapper umgeschichtet werden (Quelle: Deloitte Casey Quirk, 10/2025).

Nutzen für Wealth Management und Private Banking

Aktive ETFs machen aktive Anlagestrategien im beschriebenen Rahmen in einem liquiden, einfach handelbaren und operativ effizienten Format zugänglich. Für Advisory-Modelle und diskretionäre Mandate entsteht damit ein zusätzlicher Baustein, der die Leistungsfähigkeit der Vermögensverwaltung verbessert.

Die Etablierung aktiver ETFs schafft kosteneffiziente, intraday handelbare Bausteine, die taktische wie strategische Allokationen auch im aktiven Segment flexibler machen. Die Verteilung von Risikobudgets kann feinteiliger gesteuert werden, was die Gesamteffizienz steigert. Zugleich erweitern aktive ETFs das investierbare Universum über klassische Indizes hinaus und ermöglichen die gezielte Umsetzung individueller Präferenzen – etwa in Form von Sektorallokationen, ESG-Kriterien oder thematischen Strategien. Damit verbinden sie Alpha-Potenzial, aktive Risikosteuerung und feinteilige Allokation mit den strukturellen Effizienzvorteilen des ETF-Vehikels.

Mandatsarchitekturen

Durch die generell hohe Liquidität von ETFs erwarten wir, dass künftig passive wie aktive ETFs zu hybriden Mandatsstrukturen kombiniert werden können, die situativ auf breite Marktentwicklungen angepasst werden. Vermögensverwalter können beim Übergang von ruhigen in volatile Marktphasen vergleichsweise einfach von passiven in aktive Produkte umschichten und so dezidierte Risikostrategien ausführen. Zur Umsetzung solcher hybriden Mandatsstrukturen muss die Dokumentation von Richtlinien, Governance und Rebalancing-Prozessen angepasst werden, um die ETF-spezifische Liquidität, Transparenz und Kostenstruktur sauber abzubilden.

Managerauswahl

Bei der künftigen Managerselektion wird ETF-Kompetenz ein neues Kriterium. Liquiditätsmanagement, Handelsspannen und operative Umsetzungskompetenz von Managern müssen anhand neuer Maßstäbe eingeordnet werden.

Investoren können zudem davon profitieren, dass der Markt noch in einer Formungsphase ist. Da Anbieter von ETF-Servicing-Strukturen aktuell um Marktanteile ringen, geben sie teils hohe Rabatte an Investmentmanager weiter – und diese wiederum als Investitionsanreiz an ihre Investoren. In der Folge erhalten Investoren, verglichen mit konventionellen Fonds, günstigen Zugriff auf hochwertige, aktiv verwaltete Anlagestrategien. Wir erwarten, dass sich dieses Fenster mit zunehmender Reifung des Markts schließt – ein Aspekt, den Investoren bei aktuellen Allokationsentscheidungen berücksichtigen sollten.

Marktrend und Ausblick

Der Erfolg von ETFs ist nicht allein durch den Trend zum passiven Investieren erklärbar, sondern durch strukturelle Vorteile des Formats. Vor diesem Hintergrund erscheint es folgerichtig, dass auch aktive Strategien zunehmend im ETF-Mantel umgesetzt werden – sofern die strukturellen Voraussetzungen hinsichtlich Liquidität und Mittelbewegungen erfüllt sind. Mittelfristig dürften aktive ETFs dort einen wachsenden Anteil traditioneller Fondsstrukturen ersetzen und Investoren Zugang zu effizienteren und flexibleren Anlagelösungen bieten, die die Vorteile beider Welten verbinden.

Hinweis: Die Autoren sind als Berater bei Deloitte tätig und haben deutsche Asset Manager beim strategischen Eintritt in den ETF-Markt sowie beim Aufbau von ETF-Strukturen beraten. Sie haben damit ein indirektes kommerzielles Interesse am Wachstum des in diesem Beitrag dargestellten Marktsegments. Der Beitrag gibt die persönliche Einschätzung der Autoren wieder.


Über die Autoren

Benedikt von Albedyll leitet das Active-ETF-Team bei Deloitte Consulting und berät Asset Manager bei Markteintritt, Produktstrategie und Vertriebsmodellen im ETF-Bereich. Zuvor war er als Consultant bei Dr. Nagler & Company sowie bei HSBC Global Banking and Markets und der LBBW tätig.

Thorsten Heymann ist Partner bei Deloitte und leitet das Beratungsgeschäft für Asset und Wealth Manager. Er verfügt über mehr als 23 Jahre Branchenerfahrung, war Mitglied des Global Executive Committee von Allianz Global Investors und bekleidete Vorstandspositionen bei Fintech-Unternehmen und Branchenverbänden in Europa.

Nils Felten ist Teil des Active-ETF-Teams bei Deloitte Consulting und berät bei strategischen Initiativen zum Markteintritt, zur Produktentwicklung und zur operativen Umsetzung aktiver ETFs.

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