Aktiv versus passiv Wenn die Fondsstruktur nicht zur angestrebten Investmentidee passt

Christian Buntrock ist Portfoliomanager bei Solvecon Invest. | © Solvecon Invest

Christian Buntrock ist Portfoliomanager bei Solvecon Invest. Foto: Solvecon Invest

Bei der Investition in einen Markt stellt sich dem professionellen wie privaten Investor immer wieder die gleiche Frage: Ist die Investition in einen Exchange Traded Fund (ETF) ertragreicher, oder sollte man sich für einen aktiv gemanagten Fonds entscheiden? Für einen ETF sprechen fast immer die Kosten.

So liegt die Gesamtkostenquote bei der Investition in einen großen Aktienindex wie Dax oder S&P 500 je nach Anbieter zwischen 0,05 und 0,15 Prozent pro Jahr. Auch die Investition in einzelne Branchen ist mit einer Spanne von 0,25 bis 0,75 Prozent jährlich kostengünstig. Bei einem aktiv gemanagten Fonds liegen die Kosten oft zwischen 1,0 und 2,5 Prozent. Diese hängen unter anderem von der Anlageklasse, Tranche und möglichen Ertragsvergütungen ab. Folglich beträgt die Kostenersparnis beim Kauf eines ETFs im Vergleich zum aktiv gemanagten Fonds oft 0,75 bis 1,75 Prozentpunkte pro Jahr.

Diese Differenz gilt für semi- und institutionelle Investoren, die Zugriff auf die entsprechenden  institutionellen Tranchen haben und keine Ausgabeaufschläge zahlen. Aus Sicht privater Anleger, die meist auf die entsprechende Tranche für Privatanleger zugreifen und oft noch einen – wenn auch meist reduzierten – Ausgabeaufschlag zahlen, ist die Kostenersparnis entsprechend größer.

Zusätzlich spricht für ETFs, dass die Mehrheit der aktiven Fondsmanager ihre Benchmark nach Kosten nicht schlägt und die Ertragslücke zwischen Benchmark und Fonds im Laufe der Jahre immer größer wird. So ergibt sich aus vielen Untersuchungen für große Indizes, dass 70 bis 85 Prozent der Fondsmanager ihren Vergleichsindex über längere Zeiträume nicht schlagen.

Die großen Mittelzuflüsse in ETFs in den zurückliegenden Jahren zeigen, dass für viele Anleger die Frage, aktiver Fonds oder ETF, beantwortet ist. Gemäß dem Londoner Analystenhaus ETFGI hat das in ETFs angelegte Vermögen Ende Januar 2018 erstmals die Summe von 5 Billionen US-Dollar überschritten.

In der Vermögensverwaltungspraxis zeigt sich in der Beratung, dass viele private Anleger, aber auch Family Offices mit der Entscheidung für einen ETF die Analyse abgeschlossen haben und sich dann für eine Benchmark entscheiden. Folglich wird oft nicht geprüft, welche Struktur ein Index hat und in welche Branchen-, Länder- oder Währungsstruktur investiert wird. Dies gilt insbesondere auch für Robo-Advisors, die nur auf ETF-Basis arbeiten und oft auf einer abgewandelten Markowitz-Optimierung beruhen.

ETFs auf den russischen Aktienmarkt

Ein gutes Beispiel für die Notwendigkeit, sich einen Index genauer anzuschauen, ist der russische Aktienmarkt. Geht ein Anleger davon aus, dass die Wirtschaftsreformen der russischen Regierung erfolgreich sein werden und die russische Börse sich damit positiv entwickelt, könnte er den kostengünstigen Weg über ETFs wählen. Infrage kämen zum Beispiel der Lyxor Russia oder der iShares MSCI Russia. Beide passiven Fonds haben eine Gesamtkostenquote von 0,65 Prozent und sind günstiger in den Verwaltungskosten als ein aktiv gemanagtes Produkt.

 Quelle: Factsheet 09/2018, iShares MSCI Russia Ucits ETF Acc; Factsheet 10/2018, Lyxor Russia Ucits ETF Acc; Factsheet 09/2018 Parvest Equity Russia



Doch die Sache hat einen Haken: Die Factsheets beider ETFs zeigen zum einen mit 66,9 und 60,0 Prozent eine hohe Gewichtung des Energiesektors. Zum anderen weisen beide Produkte mit jeweils rund 20 Prozent einen erheblichen Anteil an Finanztiteln auf. An dieser Stelle sollte der Anleger seine Gründe für die Investition hinterfragen und prüfen, ob für ihn ein so ausgeprägtes Klumpenrisiko in Bezug auf die beiden Sektoren angebracht ist.