Statt klassischer Zinsträger und Aktien Pensionsanleger investieren noch stärker in Alternatives

NIgel Cresswell berät Pensionseinrichtungen bei Fragen zur Kapitalanlage.  | © Willis Towers Watson

NIgel Cresswell berät Pensionseinrichtungen bei Fragen zur Kapitalanlage. Foto: Willis Towers Watson

Pensionsanleger haben ihre Anlagestrategie unter dem Druck des anhaltenden Niedrigzinsumfelds angepasst. Das zeigt eine neue Studie der Unternehmensberatung Willis Towers Watson („Pension Risk Management und Anlage von Pensionsvermögen 2018“). Die dafür befragten Unternehmen investieren ihre Pensionsvermögen inzwischen nur noch zu 63 Prozent in Renten. Im vergangenen Jahr lag die Quote noch bei 69 Prozent.

Der Rückgang festverzinslicher Wertpapiere erfolgte jedoch nicht zu Gunsten von Dividendentiteln. Denn auch die Aktienquote sank binnen Jahresfrist von 20 auf 17 Prozent. Immobilien machen inzwischen jeden fünften Euro in den Planvermögen aus (20 Prozent). Aber auch die Kasse ist mit 11 Prozent der zur Verfügung stehenden Mittel sehr üppig gefüllt. 

Auch Versorgungswerke im Blick 

Für die Studie wurden im Sommer dieses Jahres Entscheider in Unternehmen mit mittleren bis großen Pensionsvermögen aus Deutschland befragt. Das sogenannte Planvermögen der Studienteilnehmer beläuft sich auf insgesamt 124 Milliarden Euro. 59 Prozent davon entfallen auf regulierte Marktteilnehmer (Pensionskassen, Pensionsfonds und die meist sehr verschwiegenen Versorgungswerke mit freiwilliger Anlehnung an das Versicherungsaufsichtsgesetz, VAG). 41 Prozent der Mittel stammen wiederum von unregulierten Teilnehmern, dabei handelt es sich vornehmlich um Treuhandmodelle in Gestalt eines CTA (Contractual Trust Arrangement). 

Willis Towers Watson untersucht die Anlage von Pensionsvermögen seit 2010. Mit Blick auf die aktuelle Untersuchung weist das Beratungshaus darauf hin, dass die Geldanlagen der Großanleger heute breiter denn je gestreut sind. Grund dafür sei die verstärkte Hinzunahme alternativer Anlagen. Das hat einen weiteren positiven Effekt zur Folge: Weil alternative Anlagen mit im Vergleich zu Aktien und Festzinspapieren höheren Renditeerwartungen einhergehen, sind die erwarteten Renditen auf Portfolioebene über den kommenden Zehnjahreshorizont im Vergleich zu 2017 im Schnitt um 0,5 Prozent gestiegen. „Die Portfolien wurden weiter diversifiziert und insbesondere illiquide alternative Anlageklassen stärker berücksichtigt. Das ist angesichts des weiterhin niedrigen zukünftigen Renditeumfelds sinnvoll und notwendig“, sagt Nigel Cresswell, Leiter Investmentconsulting bei Willis Towers Watson, Frankfurt.

Cresswell betont: „Insgesamt sind die Anleger damit besser aufgestellt auch in Zukunft auskömmliche Renditen zu erwirtschaften. Allerdings müssen die Diversifizierung und die stärkere Berücksichtigung illiquider Anlageklassen konsequent weiterverfolgt werden.“ Cresswell gibt zu bedenken: „Die prognostizierten Renditen sind zwar deutlich gestiegen. Dennoch stellt sich bereits heute die Frage, ob die aktuellen Portfoliopositionierungen zur Erzielung des Rechnungszinses ausreichen werden.“ 

Willis Towers Watson hat die Antworten der insgesamt 36 befragten Pensionsanleger getrennt nach Anlegergruppen ausgewertet. Besonders Pensionsvermögen regulierter Anleger werden stärker in alternative Anlagen und Immobilien angelegt (+ 5 Prozent), die Allokation in Anleihen wurde hingegen zurückgefahren (- 2 Prozent). Innerhalb der alternativen Anlagen ist der Anteil an illiquiden Anlagen deutlich gestiegen (+ 24 Prozent). 

Illiquide Kreditstrategien auf dem Vormarsch 

Das größte Volumen innerhalb der Allokation in alternative Anlagen ist der Studie nach weiterhin Private Equity (36 Prozent). Illiquide Kreditstrategien wie etwa die direkte Unternehmensfinanzierung (Direct Lending) haben stark zugenommen (+ 11 Prozent). „Pensionsanleger verfügen über einen sehr langfristigen Anlagehorizont – daher ist es absolut sinnvoll, den Renditevorteil der illiquiden Anlagen zu nutzen“, erläutert Tobias Bockholt, Senior Investment Consultant bei Willis Towers Watson. „Wir erwarten, dass künftig weitere Pensionsanleger ihre Asset-Allokation anpassen und noch stärker auf illiquide Anlagestrategien setzen werden. Der Druck, auskömmliche Erträge zu erwirtschaften, bleibt weiterhin hoch. Da illiquide Anlagestrategien allerdings im Vergleich zur klassischen Anlage in Staats- und Unternehmensanleihen relativ neu sind, stehen die Portfolio-Manager zusätzlich vor der Aufgabe, Erklärungs- und Überzeugungsarbeit in den teils fachfremd besetzten Entscheidungsgremien zu leisten“, führt Bockholt weiter aus. 

Einen Überblick von Willis Towers Watson über die Studie finden Sie hier