Kaum Korrelation „Aktien in Frontier-Märkten sind weniger volatil als in den Emerging Markets“

Rudolf Apenbrink

Rudolf Apenbrink

private banking magazin.de: Herr Apenbrink, was verbindet einen Ostwestfalen wie Sie mit dem Management im Bereich EMEA?

Rudolf Apenbrink: Bodenständigkeit und Interesse an internationalen Wirtschaftsentwicklungen schließen sich nicht aus. Dieses Interesse wurde während meines USA-Studiums geweckt. Später, als ich bereits bei HSBC tätig war, habe ich dann beispielsweise drei Jahre in Hongkong gelebt. Die westlichen und östlichen Elemente geben Hongkong ein besonderes Flair, das ich sehr schätze. Für die Vielfalt der sich in den vergangenen Jahren teils rasant entwickelnden Staaten der Welt ist die EMEA-Region ein sehr gutes Beispiel.

Frontier Markets sind auf dem Weg zum Schwellenland, haben aber gewisse Standards noch nicht erreicht. Wie grenzen Sie Frontier von Emerging Markets ab?

Apenbrink: Frontier Markets befinden sich typischerweise in einer frühen Phase der wirtschaftlichen, politischen und finanziellen Entwicklung. Sie gehören zu den Regionen, die weltweit am schnellsten wachsen. Hinzu kommen Rohstoffreichtum und gute demographische Strukturen wie eine aufstrebende Mittelschicht. Zum Beispiel wird die Bevölkerung vieler afrikanischer Staaten sich in den nächsten Jahren verdoppeln.

Das klingt alles recht rosig. Was ist die Kehrseite?

Apenbrink: Die Entwicklung wird sicherlich keine Einbahnstraße sein. Es gibt nie nur die eine Richtung. Nehmen Sie Marokko. Das Land hat im November seinen Status als Schwellenland durch Nicht-Erfüllung der Liquiditätsanforderungen verloren und ist als Grenzmarkt zurückgestuft worden. In Bezug auf die Frontier-Markets-Gruppe gilt aber: Diese Staaten haben das Potenzial, dass sie über die Jahre das Niveau anderer Emerging Markets erreichen können. Anleger müssen aber bedenken, dass es sich um junge Märkte oder Demokratien handelt. Die Regierungsverantwortlichen werden nicht immer geldpolitische Entscheidungen treffen, die ein stabiles ökonomisches Wachstum unterstützen. Zudem können Regulierungen dort sehr restriktiv sein. Die Länder werden aus Eigeninteresse auch in den nächsten Jahren daran arbeiten, sich gegenüber ausländischen Investoren weiter zu öffnen.

Der Deutsche Aktienindex Dax hat 2013 geglänzt, die Aussichten für Euroland sind positiv. Warum sollten Anleger auf Frontier-Markets-Aktien setzen?

Apenbrink: Wer das Klumpenrisiko in seinem Portfolio streuen möchte, für den bieten sich Frontier Markets als Beimischung an. Die Staatengruppe zeigt eine niedrige Korrelation zu anderen Aktienmärkten, aber auch untereinander. In den vergangenen fünf Jahren lag die Volatilität niedriger als bei den Schwellen- und Industrieländern. Verlockend mag auch sein, dass, wer frühzeitig auf Frontier Markets setzt, ähnliche Renditen einfahren könnte wie diejenigen Anleger, die damals rechtzeitig in die jetzigen Emerging Markets investiert haben.

Welche Länder halten Sie mittelfristig für interessant?

Apenbrink: Unser Frontier-Markets-Anlageuniversum umfasst in etwa 3.000 Unternehmen. Wir haben Zugang zu rund 30 verschiedenen Frontier Markets. Durch ihre Dynamik und insbesondere durch ihre unterentwickelten politischen Strukturen beanspruchen diese Länder eine permanente, dynamische Bewertung. Ein Regierungswechsel etwa oder die Verabschiedung von Reformen können in dieser Hinsicht binnen kürzester Zeit zur entscheidenden Wende und damit auch zu einer neuen Bewertung führen. Auf Drei-Jahres-Sicht halten wir derzeit die arabischen Golfstaaten für interessant, vornehmlich die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien. Infolge der positiven Entwicklung bei Volkswirtschaft und Finanzmarkt hatte der Indexbetreiber MSCI unter anderem die Vereinigten Arabischen Emirate aus der Frontier-Kategorie hochgestuft und in den MSCI Emerging Markets Index aufgenommen. In Asien spricht unter anderem eine hohe Dividendenrendite für Pakistan. In Afrika bevorzugen wir weiterhin Nigeria.

Wo halten Sie sich derzeit zurück?

Apenbrink: Beispielsweise in Kolumbien und Peru, wo wir wegen der hohen Bewertungen untergewichtet sind. Zudem beobachten wir die rechtlichen Verfahren zur Staatsverschuldung in Argentinien und möglichen Veränderungen in der Wirtschaftspolitik.

Inwieweit beeinflussen Klassifizierungen von Indexanbietern Ihre Portfoliokonstruktion?

Apenbrink: Wir setzen auf eine eigens von HSBC zusammen mit MSCI entwickelte Benchmark. Das Anlageuniversum des MSCI Frontier Emerging Markets Capped ist in erster Linie für reine Frontier-Länder ausgelegt.