Kaum ein Prinzip ist in der Kapitalanlage so anerkannt wie das der Diversifikation. Wer verschiedene Assetklassen kombiniert, kann Schwankungen senken und das Rendite-Risiko-Verhältnis verbessern. Die historische Evidenz dafür ist stark – und genau deshalb wird Diversifikation oft zu unkritisch als verlässliches Prinzip verstanden.
Diversifikation funktioniert
Historische Daten zeigen, warum Diversifikation funktioniert. Ein klassisches 50:50-Portfolio aus Aktien und Anleihen schwankt deutlich weniger als ein reines Aktienportfolio. Die Verteilung der Jahresrenditen wird enger, starke Verlustjahre treten seltener auf.
Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an professionelle Investoren. Bitte melden Sie sich daher einmal kurz an und machen einige berufliche Angaben. Geht ganz schnell und ist selbstverständlich kostenlos.
Kaum ein Prinzip ist in der Kapitalanlage so anerkannt wie das der Diversifikation. Wer verschiedene Assetklassen kombiniert, kann Schwankungen senken und das Rendite-Risiko-Verhältnis verbessern. Die historische Evidenz dafür ist stark – und genau deshalb wird Diversifikation oft zu unkritisch als verlässliches Prinzip verstanden.
Diversifikation funktioniert
Historische Daten zeigen, warum Diversifikation funktioniert. Ein klassisches 50:50-Portfolio aus Aktien und Anleihen schwankt deutlich weniger als ein reines Aktienportfolio. Die Verteilung der Jahresrenditen wird enger, starke Verlustjahre treten seltener auf.
Die Logik dahinter ist einfach: Diversifikation lebt davon, dass sich Assetklassen nicht gleich bewegen. Fallen Aktien, müssen Anleihen nicht im selben Maß mitfallen. Genau dieses Muster war historisch oft zu beobachten. Daher gilt Diversifikation vielen Investoren als verlässlicher Stabilisator.
Diversifikation ist kein Naturgesetz
Problematisch wird es, wenn aus historischer Beobachtung ein Gesetz gemacht wird. Denn Diversifikation hängt an Korrelationen – und Korrelationen ändern sich, wie das Verhältnis von Aktien und Anleihen exemplarisch zeigt.
Lange galten Anleihen als gute Ergänzung zu Aktien im Portfolio. Doch das gilt nicht in jeder Konstellation: Inflationsschübe, geldpolitische Wendepunkte oder geopolitische Schocks können dazu führen, dass sich Assetklassen plötzlich anders bewegen. 2022 war so ein Jahr: Aktien und Anleihen fielen gleichzeitig.
Im Zeitverlauf zeigt sich: Korrelationen schwanken deutlich. In Abbildung 3 liegt die rollierende 10-Jahres-Korrelation zwischen US-Aktien in EUR und US-Anleihen, EUR-gesichert, zwischen -0,32 und 0,23. Wer vorsichtig rechnen will, kann hier statt dem historischen Mittelwert auch mit einer Korrelation von etwa null arbeiten. Die Korrelationen zwischen US-Aktien und nicht währungsgesicherten US-Anleihen lägen übrigens deutlich höher.
Korrelation zwischen Aktien und Anleihen
Diversifikation braucht Annahmen
Korrelationen sind historisch keine Konstante und können deshalb auch für die Zukunft nicht einfach vorausgesetzt werden. Man muss mit Annahmen arbeiten. Das spricht nicht gegen Diversifikation. Es bedeutet nur, dass ihr Nutzen von den unterstellten Korrelationen abhängt. Nimmt man eine Korrelation von null an, liegt die Volatilität des 50:50-Portfolios bei 8,9 Prozent. Unter anderen Korrelationsannahmen fällt sie anders aus.
Risiken eines 50:50-Portfolios
In Abhängigkeit von der Korrelation
Für Privatbanken und institutionelle Investoren ist genau das entscheidend. Die Frage lautet nicht nur: Sind wir diversifiziert? Sondern: Unter welchen Annahmen trägt unsere Diversifikation wirklich?
| Praktische Beobachtung | Konsequenz für die SAA |
|---|---|
| Korrelationen schwanken | Diversifikation ist keine feste Größe. |
| 2022: Aktien und Anleihen negativ | Historische Robustheit schützt nicht in jedem Marktregime. |
Im nächsten Teil, den Sie ab dem 30. März lesen können, geht es darum, wie sich künftige Renditen, Risiken und Korrelationen sinnvoll schätzen lassen – und was historische Daten in diesem Kontext leisten können.
Den zweiten Teil können Sie hier lesen.
Über den Autor
Sebastian Geissel ist Professor für Finanzierung an der Hochschule Trier und arbeitete unter anderem bei HSBC. 2025 gründete er Combin Tech, das eine softwaregestützte SAA-Analyse ermöglicht.