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Eigentlich war es im Frühjahr viel zu trocken, dann im Sommer mit Regen und reichlich Hitze zu wechselhaft. Doch trotz des widrigen Wetters haben die deutschen Landwirte in diesem Jahr eine im Durchschnitt gute Ernte eingefahren, lautet die Bilanz des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat.
Demnach liegt die Erntemenge bei Getreide und Raps deutlich über dem Vorjahr und leicht über dem mehrjährigen Durchschnitt. Und auch bei Kartoffeln deuten die vorläufigen Zahlen auf stabile bis leicht steigende Hektarerträge im Vergleich zum Vorjahr.
Zwar gibt es in der Landwirtschaft eine breite Spanne von Betriebsergebnissen – je nach Größe, Spezialisierung und Lage. Doch vielen – insbesondere größeren – Betrieben dürfte es allen Unkenrufen zum Trotz hierzulande recht gut gehen. Gleichzeitig, so zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts, setzt sich der Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft fort.
Nach dem Motto „wachsen oder weichen“ gibt es immer weniger, aber dafür immer größere Betriebe. Von den 1,5 Millionen Höfen, die es im Jahr 1960 allein auf dem Gebiet der damaligen Bundesrepublik Deutschland gab, existierten 2010 bundesweit noch knapp 300.000. Zuletzt waren es nur noch rund 250.000, Tendenz weiter fallend. Die durchschnittliche Hektarzahl stieg auf rund 65 pro Betrieb.
Großbetriebe dominieren also zusehends das Bild in der Landwirtschaft. Von diesem Trend profitieren Private-Banking-Anbieter. Doch eine besondere Herausforderung für das Vermögensmanagement in dieser Zielgruppe besteht darin, dass kaum ein Hof dem anderen gleicht.
Ausgewogene Diversifikation fehlt oft
„Die Strukturen sind so individuell wie die Betriebe selbst“, sagt Markus Bohlender, Teamkoordinator Private Banking bei der VR Bank Südpfalz. Entsprechend gebe es auch keine Standardallokation.
Auffällig sei, dass vermögende Landwirte weniger auf Wohnimmobilien setzen würden. Stattdessen investierten sie bevorzugt in Land- und Betriebsvermögen. „Die Bereitschaft, Kapital in das eigene Unternehmen zu lenken, ist deutlich ausgeprägter als bei anderen Kunden“, so Bohlender.
Er rät deshalb regelmäßig den Landwirten, auch Vermögen außerhalb des Betriebs aufzubauen, um so eine ausgewogene Diversifikation des Vermögensportfolios sicherzustellen. Dazu zählen seiner Empfehlung nach Aktien und Renten ebenso wie alternative Anlagen bis hin zu individuellen Lösungen – stets abhängig von der persönlichen Situation und den Präferenzen des Landwirts.
Die Großbauern in der Region Südpfalz – mit einem starken Bezug zum Weinbau – sind seinen Angaben zufolge sehr sachwertorientiert: neben Immobilien auch in Form physischer Vermögenswerte wie Gold. „Der Blick ist dabei langfristig, meist ist eine generationenübergreifende Betriebsführung angedacht, was besondere Ansätze in der Vermögensstrukturierung erfordert“, so der Private Banker.
Wichtiges Liquiditätsmanagement
„Allerdings ist das liquide Vermögen, das langfristig verwaltet werden soll, bei vielen Landwirten häufig gar nicht so groß“, beschreibt Markus Eimecke, Direktor Vermögensmanagement beim Bankhaus Seeliger in Wolfenbüttel, einen wichtigen Unterschied zu anderen Kundengruppen im Private Banking. Es gehe vielmehr oft darum, ausreichend Liquidität für Investitionen, aber auch für mögliche Steuernachzahlungen vorzuhalten. „Das Konto eines Landwirts atmet sehr stark“, sagt der Vermögensberater.
So könne es vorkommen, dass es nach einer sehr schlechten Ernte viel Geld zurückgibt, weil der Landwirt weniger Steuern zahlen muss, aber die Vorauszahlungen viel zu hoch waren. „Und nach zwei guten Ernten kommt die große Steuernachzahlung, und zugleich schnellen die Vorauszahlungen nach oben. Dann muss wieder Liquidität da sein“, beschreibt Eimecke. Er weiß, wovon er spricht, schließlich hat er den elterlichen Hof in der Nähe von Wolfenbüttel übernommen und baut – vorwiegend mit externer Hilfe – Weizen, Mais und Zuckerrüben an.
Die besondere Herausforderung für Landwirte und Private-Banking-Berater besteht häufig darin, klar zu unterscheiden, ob es sich um betriebliches oder privates Vermögen handelt. „Wenn der Landwirt das Vermögen für sich betrieblich einordnet, ist der Anlagehorizont oft sehr eingeschränkt“, erläutert Eimecke. „Viele wollen eine finanzielle Manövriermasse haben, wenn sich eine Gelegenheit ergibt, den Hof zu erweitern oder zu modernisieren“, so der Vermögensexperte.
Einzeltitel erst ab 500.000 Euro
Für die Landwirte aus der Region bieten er und sein Team das klassische Wertpapiergeschäft an, abhängig vom verfügbaren liquiden Vermögen. „Ab 200.000 Euro bauen wir die Vermögensverwaltung mit ETFs. Ab 500.000 Euro nutzen wir auch Einzeltitel“, so Eimecke, der auch im Anlageausschuss der Privatbank sitzt und so die Kapitalanlage maßgeblich mitbestimmt.
Dass viele Landwirte die Vermögensverwaltung des Bankhauses Seeliger nutzen, ist kein Zufall. Die Privatbank ist der Landwirtschaft schon lange verbunden, sie finanziert sowohl den Landkauf als auch Betriebsmittel zum Beispiel für Maschinenparks. Nach der Wende begleitete Seeliger zudem Unternehmer, die in der Magdeburger Börde landwirtschaftliche Flächen kauften. Inzwischen ist die Bank im Agrargeschäft in allen neuen Bundesländern und Norddeutschland aktiv.
Grafik: Einkommensquellen landwirtschaftlicher Betriebe
Auch die VR Bank Südpfalz begleitet und betreut Landwirte neben der Vermögensverwaltung ebenfalls auf der Kreditseite. „Wir entwickeln gemeinsam maßgeschneiderte Finanzlösungen, die beide Aspekte berücksichtigen. Besonders wichtig ist eine hohe Flexibilität bei der Liquiditätssteuerung, da ihre Einkommensströme häufig saisonalen Schwankungen unterliegen“, sagt auch Private Banker Bohlender. Als Produkte kommen dabei Geldmarkt- und Lombardkredite infrage. „Ergänzend bieten wir klassische kurzfristige Anlagelösungen.“