Agenda 2019 „Das Spektrum der für uns tätigen Asset Manager wird zunehmen“

Ewald Stephan ist Vorstandsmitglied der Verka PK Kirchliche Pensionskasse und der Verka VK Kirchliche Vorsorge.  | © Verka

Ewald Stephan ist Vorstandsmitglied der Verka PK Kirchliche Pensionskasse und der Verka VK Kirchliche Vorsorge. Foto: Verka

Herr Stephan, gehen Sie eher optimistisch in das neue Jahr? Oder sind Sie skeptisch, was die Kapitalanlage betrifft?

Unserer Erwartungen für das neue Jahr im Hinblick auf die Kapitalmärkte sind „volatil“. Wir gehen weder besonders skeptisch, noch allzu optimistisch ins neue Jahr. Wir sind uns der Risiken am Kapitalmarkt bewusst, insbesondere auf politischer Ebene droht den Märkten möglicherweise weiteres Ungemach – Brexit, Italien, Ausweitung der Handelszölle – die zumindest dafür sorgen dürften, dass die Volatilität temporär noch weiter zunimmt.

Auch könnte der konjunkturelle Höhepunkt in den USA und Europa bald hinter uns zu liegen, ausgesprochene Höhenflüge dürften in nächster Zeit kaum mehr zu erwarten sein. Dennoch bleiben wir vor dem Hintergrund der intakten Fundamentaldaten und komfortablen Gewinnsituation bei den Unternehmen verhalten optimistisch, gleichzeitig jedoch auch vorsichtig.

Unverhältnismäßige Risiken wird die Verka auch im kommenden Jahr nicht eingehen, wohl aber den Anteil der alternativen Investments sowie möglicherweise die Aktienquote – auf weiterhin verhältnismäßig niedrigem Niveau – sukzessive weiter moderat aufbauen und die vermeintlich günstigen Einstiegslevels nutzen. Hauptziel ist hier eine weitere Erhöhung der Portfoliodiversifikation weg von den klassischen Staats- und Unternehmensanleihen sowie Bankentiteln.

Was steht 2019 auf Ihrer Agenda? 

Es gibt im Moment zwei wesentliche Themen, die die Verka mit Blick auf 2019 im Kapitalanlagenbereich, aber auch darüber hinaus, bewegen und von denen wir glauben, im Altersvorsorgemarkt vorne mit dabei zu sein. Wie andere Versicherer auch hat die Verka ein umfassendes Projekt zur Digitalisierung angestoßen, in dessen Zentrum ein weitgehend automatisiertes Kundenportal stehen wird.

Hierüber werden die Kunden dann beispielsweise Switches und Shifts in ihrem Fondsportfolio – die Verka führt gerade fondsgebundene Rentenversicherungsprodukte ein – vornehmen können. Weitere Digitalisierungspotenziale werden im Bereich ECM und hier speziell Dokumenten-Management-System gehoben mit dem mittelfristigen Ziel des papier- und aktenlosen Büros. Wir planen, im Jahr 2019 mit diesem Portal „live“ zu gehen.

Ein zweiter Schwerpunkt ergibt sich aus dem Thema Nachhaltigkeit. Die Verka berücksichtigt anders als andere Altersvorsorgeeinrichtungen bereits seit längerer Zeit explizit Nachhaltigkeitsanforderungen im Bereich der Kapitalanlage. Die Prozesse gilt es hier jedoch weiter zu optimieren und insbesondere in den Bereichen Klimaziele, Engagement und SDG-Impact (Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen, Anm. d. Red.) weiter auszubauen. Diese betrifft sowohl den Direktbestand als auch extern mandatierte Fondsinvestments.

Die Verka plant darüber hinaus, ihre Expertise im Bereich der Nachhaltigkeit mit Fokus auf der Verwaltung von Kapitalanlagen auch Dritten im Wege eines noch in Planung befindlichen Nachhaltigkeitsinstituts zugänglich zu machen. Neben diesen beiden Sonderthemen ist es natürlich immer Ziel, das Kapitalanlagenportfolio auch ökonomisch weiter zu stabilisieren und die Ertragsbasis zu festigen. Natürlich erfordert dies auch die Berücksichtigung von neuartigen Anlageprodukten und Themeninvestments sowie die Selektion neuer, spezialisierter Asset Manager. Hier entwickelt sich die Verka fortlaufend weiter. 

An der Verwaltung institutioneller Kapitalanlagen sind zahlreiche Personen beteiligt: Angefangen bei dem Asset-Owner, seinen Consultants und den mandatierten Managern. Nicht zu vergessen Stimmrechtsberater, Rating-Agenturen, Depotbank, Global Custodians und natürlich die Aufsichtsgremien. Gibt es Veränderungen, die Sie hier anstoßen möchten?

Wir sind nach unserer Einschätzung auch in dieser Hinsicht bereits recht breit aufgestellt und haben einen ganz guten Marktzugang. Eine Unterstützung durch Consultants sehen wir eher skeptisch und der Grenznutzen erscheint in den meisten Fällen sehr gering. Lediglich im Falle von Spezialthemen, wo uns einfach die Expertise fehlt, um vollkommen eigenständig die Managerauswahl vorzunehmen, nehmen wir diese Dienstleistung in Anspruch.

Solche Themen nehmen allerdings tendenziell etwas zu, da sich die Verka verstärkt auch mit bevorzugt explizit nachhaltigen Themeninvestments auseinandersetzt. Vor diesem Hintergrund wird auch das Spektrum der für die Verka tätigen Asset Manager weiter zunehmen.

Stimmrechtsausübung und Rating-Agenturen sind gleichfalls Themen, die vielfältiger werden mit Blick auf die nachhaltige Ausrichtung der Verka. Möglicherweise werden wir auch bei den Banken, mit denen wir am engsten zusammenarbeiten, den einen oder anderen Wechsel vornehmen. Auch dies – und hier schließt sich der Kreis – ist wiederum eine mittelbare Folge der verstärkten Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien als Instrument des Risikomanagements. 


Über den Interviewten: 
Ewald Stephan ist seit 2009 Vorstandsmitglied der Verka PK Pensionskasse Kirchliche Pensionskasse und der Verka VK Kirchliche Vorsorge. Seine Ressortzuständigkeit umfasst dort neben den Kapitalanlagen (2,1 Milliarden Euro) auch Rechnungswesen, Controlling, Steuern, interne Revision sowie Informationstechnologie und Organisation.