Abseits der FAANG-Aktien Diese Chancen bietet die Vierte Industrielle Revolution

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Um jedoch grundlegende und existenzbedrohende Risiken bei Technologieaktien zu meiden, können Anleger sich auf die soliden Profiteure des digitalen Wandels fokussieren. Das heißt, in diejenigen Technologien und Tech-Unternehmen zu investieren, die genug finanzielle Reserven haben, um auch konjunkturelle Schwächephasen zu überstehen sowie kontinuierlich in Forschung und Entwicklung zu investieren. Zudem kann man das Technologieportfolio diversifizieren und in Alternativen zu den großen bekannten Technologiewerten investieren, beispielsweise in industrielle Technologie.

Im Fokus steht bei diesem alternativen Ansatz, die Digitalisierung der Wertschöpfungsketten zu nutzen, die auch als 2. Disruptionsphase bezeichnet werden kann. Dazu gehören beispielsweise drei vertikale Technologietrends: Industrie 4.0, Medizin-Technologie sowie Mobilität & Autonome Systeme. Hinzu kommen deren maßgebliche Querschnittstechnologien. Dies sind Robotik & Fertigungstechnologie, Sensorik & Mikrochips, Big Data & Künstliche Intelligenz, Innovative Materialien und Kommunikationstechnik. Aktien von Halbleiterherstellern sollten tendenziell untergewichtet werden, weil sie sehr zyklisch sind – jedoch auch hier gibt es Ausnahmen und Profiteure des Megatrends Mobilität, beispielsweise Infineon.

Bei einem solchen alternativen und langfristigen Investmentansatz kann man auf Social-Media- und Lifestyle-Themen (Disruptionsphase 1) verzichten und sich auf die 2. Disruptionsphase konzentrieren, welche die Industrie betreffen wird. Im Gegensatz zu den FAANG-Aktien, die aus den Bereichen Social Media und Lifestyle kommen, können Anleger hier zwar nicht mit kurzfristig extrem hohen Kurszuwächsen rechnen.

Aber sie haben die Möglichkeit, an einem neuen langfristigen Trend teilzuhaben, der die gesamte Arbeits- und Berufswelt verändern wird. So bieten Technologie-Investments aus dem Bereich Digitalisierung als Beimischung im Portfolio langfristig überdurchschnittliche Aktienmarktrenditen. Das Anlageziel sollte ein kontinuierlicher Mehrertrag gegenüber breiten Aktienindizes wie Dax und Eurostoxx sein.

Die Auswahl dieser beiden europäischen Indizes als Benchmark ist nicht zufällig. Während in der allgemeinen Wahrnehmung die erfolgreichen Technologieunternehmen fast ausschließlich aus den USA kommen, gibt es tatsächlich auch in Europa zahlreiche Technologieunternehmen mit großem Potenzial.

Entscheidend für den Anlageerfolg ist eine gezielte Auswahl der Unternehmen, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch langfristig am Markt durchsetzen können. Wichtige Kriterien dafür sind unter anderem die Teilhabe an den richtigen Technologietrends, die Innovationskraft, Marktstellung und Qualität des Managements sowie die Bilanz.

Letztlich ist es für Wachstumsunternehmen entscheidend, dass sie neben hohen und möglichst stabilen Margen ein solides Gewinnwachstum aufweisen. Und somit wäre auch ein hohes KGV oder ein hohes Preis-Buchwertverhältnis immer zu rechtfertigen, wenn das Unternehmen ein starkes Wachstum (Gewinn und Umsatz) aufweisen kann. Zahlreiche Unternehmen fallen optisch durch niedrige KGVs auf: zu Recht! Denn sie wachsen kaum und werden demnach auch keine höhere Bewertung erreichen. Gewinne ausschütten müssen Wachstumsunternehmen nicht, sie sollen lieber ihre Gewinne reinvestieren und zusätzlich Aktien zurückkaufen.

Bei einer gründlichen Analyse des Technologieaktienmarktes wird deutlich, dass für Investoren auch etablierte Unternehmen infrage kommen. ABB beispielsweise durchläuft einen grundlegenden Wandel hin zu einem industriellen Technologiekonzern. Mit etwas Geduld und bei guter Execution durch das Management können hier Investoren vom Umbau des Konzerns profitieren.

Großes Potenzial haben zudem unter anderem Medizintechnikunternehmen wie Carl Zeiss Meditec und Stryker. Eine noch recht unentdeckte Perle könnte die vor kurzem an die Börse gegangene Voluntis SA aus Frankreich sein, welche die Digitalisierung der Medizin nutzt, um den Kampf auf dem Gebiet Diabetes und Onkologie zu unterstützen. Hohe Wachstumsphantasien sind hier durchaus gegeben, allerdings wegen des Status des Unternehmens als Beinahe-Start-up mit deutlich höheren Risiken.


Über den Autor:
Andreas Dagasan ist Senior Portfolio Manager Aktien und Analyst für Technologie-Investments bei Bantleon in München. Als Leiter Globale Aktien verantwortet er insbesondere das Management der Publikumsfonds Bantleon Select Global Technology und Bantleon Changing World.