Ablegen des Home Bias Weshalb Institutionelle ausländische Wohnimmobilien kaufen

Jochen Reith ist Gruppenleiter für institutionelle Kunden bei Patrizia Immobilien.

Jochen Reith ist Gruppenleiter für institutionelle Kunden bei Patrizia Immobilien.

Ob Südeuropa, die Niederlande, Nordeuropa – institutionelle Anleger aus Deutschland investieren wieder in Wohnimmobilien im Ausland. Ein Grund, der auf der Hand läge, spielt hierbei eine eher untergeordnete Rolle: der Diversifikationsaspekt, um Risiken zu begrenzen.

Die Auffassung vieler Investoren ist nach unserer Beobachtung zunehmend durch die eigenen positiven Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit geprägt.

Wohnimmobilien im heimischen deutschen Markt haben sehr lange sehr gut funktioniert. Ein gesunder Markt, gute Fundamentaldaten, steigende Wohnungsnachfrage, steigende Mieten und Preise. Wenn man alle Eier in einen Korb legt, dann doch wohl hier.

Allerdings sind die Preise in Deutschland zuletzt stark gestiegen, sodass ein Einstieg zu akzeptablen Renditen schwieriger geworden ist. Der Blick ins Ausland, dessen Wohnimmobilienmärkte keineswegs alle im Gleichtakt mit dem deutschen laufen, bietet Chancen auf höhere Renditen.

Letztendlich ist also der Renditeaspekt ausschlaggebend für die zunehmende Bereitschaft der Anleger, über die Grenze zu schauen.

Implizit jedoch greift aber dann doch wieder der Diversifikationsaspekt: Durch unterschiedliche Marktzyklen gleichen sich niedrigere Renditen in einem Markt durch höhere in einem anderen aus.

Nur hat sich die Prämisse geändert. Es geht im momentanen Marktumfeld längst nicht mehr darum, Risiken (Verluste) zu begrenzen, sondern darum, die Rendite (Erträge) aus der ohnehin vergleichsweise sicheren Wohnimmobilie zu steigern. Diversifikation ist wieder en vogue, wird aber eben neu verstanden.

Allerdings gilt – wie bei jedem Immobilieninvestment im Inland auch –, dass das Asset Management die erforderliche Nähe zur Immobilie aufweisen muss. Die Kenntnis des lokalen Markts und des jeweiligen Objekts ist unerlässlich.

Neben dem Zugang zu attraktiven Kaufangeboten und dem Verständnis der jeweiligen rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen treten zudem vermeintlich banale Barrieren – wie unterschiedliche Sprachen oder auch ein unterschiedliches Reportingverständnis –, die gemanagt werden müssen.