Ab wann geht es wieder aufwärts? Fünf Indikatoren, die Anleger beachten sollten

Frankfurter Zeil in Zeiten von Corona: Zu lange lässt sich der Shutdown ganzer Länder nicht aufrechterhalten, ohne dass das wirtschaftliche Gefüge beschädigt wird. | © imago images / Jan Huebner

Frankfurter Zeil in Zeiten von Corona: Zu lange lässt sich der Shutdown ganzer Länder nicht aufrechterhalten, ohne dass das wirtschaftliche Gefüge beschädigt wird. Foto: imago images / Jan Huebner

Eine Korrektur von beispielloser Dynamik hat die Investmentwelt in wenigen Wochen verändert. Die Marktteilnehmer sind gezwungen, sich rasch an eine „neue Normalität“ anzupassen. Covid-19 hat sich als einer der Schwarzen Schwäne herausgestellt, den die Märkte seit jeher fürchten.

Die psychologische Standfestigkeit der Investoren wird auf die Probe gestellt. Die Pandemie beeinträchtigt nicht nur das Portfolio, sondern bedroht möglicherweise auch die Gesundheit der Investoren: Rund 3 Milliarden Menschen, etwa die Hälfte der Weltbevölkerung, ist derzeit Ausgangssperren unterworfen.

Der nicht zuletzt emotionale Drawdown, dem die Marktteilnehmer unterliegen, hat im Wirtschaftsleben zu einer Depressions-Phase mit massiven Auswirkungen geführt: Trotz proaktiver Ankündigungen von Zentralbanken und Regierungen erleben wir weiterhin Ausverkaufstage an den Aktien- und Anleihenmärkten von historischer Dimension. Wie es für eine Depressions-Phase typisch ist, sieht die überwiegende Mehrzahl der Anleger kein Licht am Ende des Tunnels. Aktuell scheint sich die Stimmung jedoch leicht aufzuhellen: Die Marktteilnehmer bewegen sich allmählich in eine Akzeptanz-Phase und beginnen sich für ihre Optionen in der Zukunft zu interessieren. Die Märkte sind noch nicht über den Berg, aber die Investoren scheinen sich gefangen zu haben und etwas zuversichtlicher zu werden.

Anleger sollten fünf Indikatoren im Blick behalten, die für eine nachhaltige Markterholung wesentlich sind.

Fortgang der Pandemie

Wie entwickeln sich die Fallzahlen? Dieser Indikator ist ein ganz wichtiger Anhaltspunkt für den Fortgang der Corona-Krise. Sobald sich die erwarteten Auswirkungen der Eindämmungsmaßnahmen zeigen, wird eine Beruhigung an den Märkten eintreten. In Italien hat ein Rückgang der Infektionszahlen bereits eingesetzt und weitere Länder in Europa dürften in den kommenden Tagen einen Lichtstreif sehen. Ab sofort müssen die Regierungen in Europa auch über den Ausstieg aus den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nachdenken. Es ist vertrackt: Zu lange können die Regierungsverantwortlichen den Shutdown ganzer Länder nicht aufrechterhalten, ohne das wirtschaftliche Gefüge zu beschädigen. Wird die Eindämmung hingegen zu schnell gelockert, droht eine zweite Welle von Infektionsfällen.

In den USA ist Donald Trump zweifellos darauf bedacht, die Lockerungsmaßnahmen lieber früher als später anzugehen. Anders in Europa: Hier gibt es vorerst keine klare Strategie. Die Regierungen prüfen im Kampf gegen die rasche Verbreitung von Covid-19 mehrere Möglichkeiten. In Deutschland wird über den Einsatz einer App diskutiert, die Bürger freiwillig auf ihrem Handy installieren können. Wird ein Besitzer positiv auf das Coronavirus getestet, sollen automatisch anonymisierte Hinweise an alle Menschen versendet werden, die in den zurückliegenden zwei Wochen mit ihm Kontakt hatten. Ob die Initiative Erfolg hat, ist derzeit fraglich: Smartphone-Tracking wird in Teilen der Gesellschaft als Bedrohung für die Privatsphäre und die Freiheit des Einzelnen empfunden.

Marktrisiken

Entscheidend ist, dass die derzeitige Baisse sich nicht zu einer globalen Finanzkrise auswachsen kann. Die raschen geldpolitischen Maßnahmen der Zentralbanken geben in diesem Zusammenhang Grund zur Hoffnung; die Notenbanken setzen alles daran, die Liquiditätsklemme an den Märkten abzumildern. So normalisieren sich beispielsweise die Indikatoren im Hinblick auf die Liquidität am US-Finanzmarkt. Für viele Rentenmärkte ist das jedoch noch nicht der Fall. Die Spreads von Hochzins- und Schwellenländeranleihen gehen leicht zurück, aber in vielen Märkten bleiben die Verwerfungen evident.

Die Volatilität ist ein weiterer Indikator für Marktstress. Volatilitätsmaße wie der VIX-Index (US-Markt) oder der V2X (Eurozone) verharren auf einem hohen Niveau, scheinen sich jedoch zu beruhigen. Ein hoffnungsvoll stimmendes Signal, das es zu beobachten gilt: Markttiefs werden normalerweise erreicht, wenn die Ausschläge der Volatilitätsindizes zurückgehen.