7. Jahrestagung des Bundesverbands der Immobiliensachverständigen Wie lange geht das noch gut?

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Ähnlich zurückhaltend ist Philip La Piere, Leiter des Investment-Managements in Europa von Union Investment Real Estate. Er sieht die drei Jahre von Frau Knofloch kritisch und rechnet mit bis zu 24 Monaten.
Auch spricht er von einer „Kapitalschwämme“ die zunehmend die Preise ruiniert. Zudem seien gute Objekte immer seltener zu finden, da zu wenig gebaut werde. Einer Meinung mit Knoflach und Tochtermann ist La Pierre darin, dass Objektqualität, Standort und Mieter die wichtigsten Kaufkriterien sind.

Das Preisniveau wird akzeptiert

Für Thomas Schmengler, Geschäftsführer von Deka Immobilien hingegen, wirkt sich die unzureichende Bauaktivität unterstützend auf den Boom aus. Knappes Angebot bei hoher Nachfrage. Auch geht er davon aus, dass sich der Portfolioanteil an dem Transaktionsvolumen weiter erhöhen wird, obwohl die Renditen 2016 weiter sinken: „Das Preisniveau wird akzeptiert. Das wird so lange der Fall sein, wie die die Zinsen niedrig sind und die Mieten steigen.“ Seiner Meinung nach ist das frühestens 2017 oder 2018 nicht mehr der Fall. Mindestens bis dahin sieht er in Deutschland Berlin als erste Adresse für Investments. Insgesamt werden die Top-5-Städte in Deutschland ein moderates Wachstum aufweisen, außer Frankfurt, dass seit 15 Jahren „schwächelt“.

In Barcelona und Madrid haben die Mieten noch Luft nach oben

Europaweit stehen der norwegischen Markt und Paris bei ihm im Fokus. In Madrid und Barcelona haben die Mieten noch reichlich Spielraum nach oben, im Gegensatz zu München und Manchester. Warschau und den polnischen Markt stuft er als „überbaut“ ein, in Italien ist nur Mailand interessant. Weltweit wird London 2016 seine Spitzenposition vor New York verteidigen. Wichtig bei allen Investments, da ist sich Schmengeler mit Knoflach und La Pierre einig, ist die lokale Vernetzung. Auch hat Schmengler Objektübergreifende Tipps, was am Anfang einer Kaufentscheidung berücksichtigt werden muss: „Existiert in der Nähe des Objekts ein öffentliches Verkehrsnetz? Wenn nicht, wird es keine Wertsteigerung geben. Die Umnutzung von alten Bürostädten ist nur etwas für spezialisierte Asset-Manager und ein Shopping-Center funktioniert nicht ohne Gastronomie.“

Abschließend lässt sich zusammenfassen: Das Niveau auf dem Immobilienmarkt bleibt hoch. Das Transaktionsvolumen wird steigen, die Rendite weiter sinken. Standort, Bauart, Nutzungsmischung, Mieterbeschaffenheit und Anschluss an das öffentliche Verkehrssystem - diese Punkte, da waren sich alle in Frankfurt einig, müssen für ein gutes Investment erfüllt sein. Ohne lokale Kenntnisse ist das nicht möglich, gerade, weil auch B-Städte immer mehr in den Fokus rücken. Knackpunkt aber wird sein, wann und wie die EZB die Zinsen erhöht.