Interview 5 Fragen an Felix Zulauf

Felix Zulauf, Gründer des Hedgefonds Zulauf Asset Management

Felix Zulauf, Gründer des Hedgefonds Zulauf Asset Management

Wie sieht es momentan in Europa aus?

Felix Zulauf:
Das momentan wichtigste Ziel Europas ist es, die Eurozone zusammenzuhalten. Das hat Mario Draghi unmissverständlich klargemacht. Die aufgezwungene Enthaltsamkeitspolitik in den hoch verschuldeten Staaten wie Griechenland könnte schon bald nicht mehr haltbar sein, da die Menschenmassen dort anfangen zu revoltieren.

Auch Mario Monti hat kaum noch Rückhalt in Italien, da ihm das zerstrittene Parlament weitestgehend das Vertrauen entzogen hat. Angela Merkel hat im September dieses Jahres eine Wahl und könnte deshalb Sparmaßnahmen in den Mittelmeerstaaten aufweichen, um sich weiteren Ärger zu ersparen.

Es gibt aber momentan keinerlei Wachstum in eben diesen hochverschuldeten Ländern. Deshalb könnte Deutschland in einen Schuldenschnitt gedrängt werden. Es wird im Endeffekt die EZB sein, die marode Finanzinstitute und Regierungen durch die Krise retten muss. Der Euro könnte im zweiten Quartal noch auf den Wert von 1,40 steigen, bevor er dann zum Ende des Jahres auf etwa 1,00 abstürzt.

Wie stehen die europäischen Banken da?

Zulauf:
Furchtbar, was ihre Bilanzen betrifft. Die Richtlinie Basel III wird immer mehr verwässert, und die EZB trägt das alles mit. Wir sind weit von einer soliden Situation entfernt, aber trotzdem steigen die Aktienkurse. Meiner Ansicht nach ist das nicht der Ort zum Investieren.

Wie wirkt sich das aus?

Zulauf:
Wenn die Märkte merken, dass die Mittelmeerstaaten sich nicht erholen werden und deren Probleme sogar noch wachsen, muss die EZB einschreiten. Das führt dazu, dass in der zweiten Hälfte des Jahres wieder viel Geld aus diesen Ländern abgezogen wird. Zu dieser Zeit könnte Deutschland sehr kompromissbereit sein, was bedeutet, dass dieses Geld nicht mehr nach Deutschland fließt, sondern die Eurozone verlässt. Das schwächt den Euro, sodass die EZB Liquidität schaffen muss. Bis jetzt ist das frisch gedruckte Geld noch in Europa geblieben. Wenn das aber plötzlich nicht mehr der Fall ist, wird der Euro stark einbrechen.

Wie werden Ihrer Meinung nach die ersten Vorboten des stockenden Wirtschaftswachstums aussehen?

Zulauf:
Die ersten Monate des Jahres 2013 werden so aussehen, als ob sich die Wirtschaftslage bessert oder wenigstens stabilisiert. Dann werden die Investoren aber langsam merken, dass der erwartete Wirtschaftsaufschwung nicht eintritt. Daraufhin brechen die Märkte ein. Wann das genau passiert, ist schwer zu sagen. Ich tippe auf die Zeit zwischen Mitte 2013 und Anfang 2014.

Und wie sieht’s mit Gold aus?

Zulauf: Langfristig gesehen profitiert Gold davon, dass die meisten Währungen abwerten. Solange die Realzinsen weiterhin negativ sind, bleibt das fundamentale Umfeld für Gold gut. Im Moment steckt es aber in einer Konsolidierungsphase. Der Iran verkauft gerade Öl für Gold, das deshalb auf den Markt geworfen wird. Der Preis wird wohl deshalb noch zwischen 1.500 und 1.800 Dollar je Unze stecken bleiben. Erst wenn es die Marke von 1.800 Dollar durchbricht, wird es auch schnell auf 2.200 Dollar und mehr steigen. Das erste positive Signal wäre ein Durchbruch über 1.750 Dollar.

Das ganze Interview finden Sie hier