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Intakter Ausblick 5 Faktoren, die 2022 für Hochzinsanleihen sprechen

Engelsstatuen in St. Petersburg

Engelsstatuen in St. Petersburg: Zahlreiche Unternehmen haben aufgrund der Corona-Krise ihr Investment-Grade-Rating verloren. Bei vielen von ihnen haben sich die Fundamentaldaten seither deutlich verbessert. Foto: Imago Images / ITAR-TASS

Auch im Jahr 2022 dürfte es für Anleiheanleger nicht einfacher werden, positive Realrenditen zu erzielen. Dennoch bietet die Anlageklasse weiterhin Chancen – beispielsweise im Bereich der Hochzinsanleihen (High Yield, HY). Aus unserer Sicht könnten im kommenden Jahr fünf Faktoren die Entwicklung des Marktes stützen:

1. Geldpolitik

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat bereits Ende November 2021 damit begonnen, ihre Geldpolitik zu straffen. Im Frühjahr 2022 soll das Anleihekaufprogramm auslaufen. Wir rechnen daher bereits Mitte 2022 mit der ersten US-Zinserhöhung.

Hochzinsanleihen verfügen über eine vergleichsweise kurze Duration und hohe Verzinsung. Beide Faktoren könnten einen gewissen Schutz vor steigenden US-Anleiherenditen bieten. In der Vergangenheit haben sich High-Yield-Anleihen in einem solchen Umfeld im Vergleich zu Unternehmensanleihen mit längerer Duration und Investment-Grade-Rating auf Sicht von 12 Monaten deutlich stärker entwickelt (siehe Grafik).

Grafik: Renditen ausgewählter Anleihesegmente im Umfeld steigender US-Zinsen 

Quelle: BlueBay Asset Management, Stand: 30. September 2021. Anmerkungen: Ausgewählte Zeiträume, in denen die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen zwischen Ende Dezember 1998 und dem 30. September 2021 um mindestens 75 Basispunkte gestiegen ist. US Loans bezieht sich auf den S&P/LSTA Leveraged Loan Index; Euro Loans bezieht sich auf den S&P European Leveraged Loan Index, HY Bonds bezieht sich auf den ICE BofA Global High Yield Constrained Index und IG Bonds bezieht sich auf den ICE BofA Global Corporate Index. Der S&P European Leveraged Loan Index wurde im Januar 2003 eingeführt und ist daher im Vergleichszeitraum 12 Monate bis Dezember 1999 nicht berücksichtigt.

2. Technische Faktoren

Im Jahr 2020 investierten Anleger rund 45 Milliarden US-Dollar in US-Hochzinsanleihen. Seit Jahresbeginn 2021 hingegen zogen sie knapp 14 Milliarden US-Dollar aus entsprechenden Fonds ab. Wir gehen davon aus, dass sich diese Entwicklung im kommenden Jahr wieder umkehren wird: Investoren dürften ihr Kapital von Investment-Grade- in Hochzinsanleihen umschichten, da steigende US-Zinsen für erstere eine deutlich stärkere Belastung darstellen dürften. In europäische Hochzinsanleihe-Fonds flossen seit Jahresbeginn etwas mehr als 775 Millionen Euro. Ebenso verzeichnet der Leveraged-Loans-Markt aufgrund der variablen Verzinsung der Anlageklasse hohe Zuflüsse.

Zudem steigt das Volumen der „Rising Stars“, also jener Unternehmen, die aus dem Hochzins- wieder ins Investment-Grade-Universum zurückkehren. Nachdem die Bonität zahlreicher Unternehmen 2020 aufgrund der Pandemie von den Rating-Agenturen herabgestuft wurde, ist die Rate der Upgrades aktuell doppelt so hoch wie die der Downgrades. Das gilt für die USA, aber auch für Europa – wobei das Tempo hier geringer ist. Da sich stärkere Wirtschaftsindikatoren typischerweise zeitverzögert in den Ratings widerspiegeln, erwarten wir im Laufe des Jahres 2022 weitere Hochstufungen.

3. Fundamentaldaten

Die Wahrscheinlichkeit weiterer Covid-19-bedingter Lockdowns mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die wirtschaftliche Aktivität ist gesunken. Gleichzeitig ziehen die Unternehmensgewinne wieder an und tragen zur Verringerung der Verschuldung von High-Yield-Emittenten bei. Der Verschuldungsgrad bei US-Emittenten lag Ende 2020 auf einem Höchststand und ist bis September 2021 bereits deutlich gesunken. Das zeigt, dass sich die Unternehmen zu besseren Bedingungen finanzieren können und die Erträge zur Schuldentilgung nutzen.

4. Politische Entwicklungen

Auch wenn einige coronabedingte Stützungsmaßnahmen zurückgefahren werden: Die Fiskalpolitik in Europa und den USA bleibt weitgehend unterstützend. Gleiches gilt für das Vereinigte Königreich.

5. Liquidität und Volatilität

Auch wenn unter anderem steigende Inputkosten und Arbeitskräftemangel die Wahrscheinlichkeit von Schocks erhöhen: Die Liquiditätsbedingungen bleiben insgesamt robust.

In den Schwellenländern könnte es jedoch zu einer erhöhten Volatilität kommen. Die chinesische Immobilienbranche steht derzeit am stärksten unter Druck, da der Schuldenabbau trotz begrenzter staatlicher Unterstützung weitergeht.

Was bringt das kommende Jahr?

Wer als Anleiheanleger interessante Anlagechancen sucht, könnte angesichts der aktuellen Marktdynamik im Hochzinssegment fündig werden. Die Omikron-Variante hat Corona wieder zu einem größeren Thema gemacht. Wir erwarten daher eine zunächst höhere Volatilität und bleiben auf kurze Sicht vorsichtig. Mit Blick auf die kommenden sechs Monate sind wir jedoch optimistisch, dass eine Kombination aus höheren Impfquoten und voranschreitenden Booster-Impfungen eine längere Phase wirtschaftlicher Einschränkungen verhindern wird.

Wir halten daher an einem positiven Ausblick für die breitere Leveraged-Finance-Anlageklasse in einem Umfeld niedriger Ausfälle fest und sehen den jüngsten Anstieg der Schwankungen als potenzielle Chance. Wir gehen davon aus, dass sich der positive Trend bei den Mittelzuflüssen auch 2022 fortsetzen wird, da viele Anleger Kapital von Investment-Grade- in Hochzinsanleihen umschichten.