450 Millionen Euro Erbschaftsteuer Familienzwist lähmt Tengelmann

Tengelmann-Filiale in München.  | © Getty Images

Tengelmann-Filiale in München. Foto: Getty Images

Die Auseinandersetzung unter den Erben des verschwundenen Tengelmann-Chefs Karl-Erivan Haub entwickelt sich zum Problem für das Unternehmen: Der Familienstreit eskaliere, die Situation sei inzwischen so verfahren, dass Insider von einer Zerschlagung ausgingen, schreibt das „Manager Magazin“ (bezahlpflichtig).

Konkret geht es um Katrin Haub, die Ehefrau des Vermissten, auf der einen und dessen Brüder Christian und Georg auf der anderen Seite. Katrin Haub vertritt die Stimmrechte ihrer Familie, immerhin gut 34 Prozent, nachdem ihr per gerichtlicher Anordnung die sogenannte Abwesenheitspflegschaft zugefallen war.

Die weiteren Anteile liegen bei Christian und Georg Haub. Ersterer leitet die Tengelmann-Geschäftsführung, letzterer nimmt als Beiratsmitglied Einfluss. Wichtige Entscheidungen bräuchten also die Kompromissfähigkeit aller Beteiligten, worauf im Moment wenig hindeutet: Die Kombattanten kommunizierten nur noch über ihre Anwälte, so das Manager Magazin.

Während die mutmaßliche Witwe laut Bericht für sich und ihre Zwillinge Viktoria und Erivan um die Macht im Konzern streitet, versuchen Christian und Georg, genau dies zu verhindern. Neben den Machtverhältnissen geht es um viel Geld: Ist der ehemalige Konzernlenker erst für tot erklärt, fallen sofort rund 450 Millionen Euro Erbschaftssteuer an. Im Normalfall würde das Unternehmen die Steuerlast begleichen, das haben Christian und Georg aber offenbar nicht vor. Darüber hinaus sehen sie wohl die Möglichkeit, ihre drei Kontrahenten aus dem Unternehmen zu drängen.

Die Familie reagierte gegenüber dem „Manager Magazin“ mit einer offiziellen Verlautbarung auf den Bericht: Die Gespräche zur Lösung der Frage, wie man die Erbschaftssteuer finanziere, fänden in einer konstruktiven und lösungsorientierten Atmosphäre statt, hieß es. Unabhängig vom Ergebnis werde die grundsätzliche Struktur des Konzerns dadurch nicht berührt.