4. Capital-Ranking Kein digitaler Vermögensverwalter meistert jede Börsenphase

Tabletanzeige mit roten Börsenzahlen: Für digitale Vermögensverwalter war der Corona-Crash im März 2020 ein echter Härtetest, den die Anbieter ganz unterschiedlich bewältigt haben.

Tabletanzeige mit roten Börsenzahlen: Für digitale Vermögensverwalter war der Corona-Crash im März 2020 ein echter Härtetest, den die Anbieter ganz unterschiedlich bewältigt haben. Foto: imago images / Panthermedia

Liqid heißt erneut der Testsieger im 4. Capital-Ranking der besten Online-Vermögensverwalter am deutschen Markt. Damit verteidigt das Berliner Unternehmen zum dritten Mal den ersten Platz, glänzt aber längst nicht in allen Kategorien. Dahinter zeigt sich ein komplett anderes Bild als in den beiden Vorjahren: Auf den Plätzen zwei bis fünf liegen dieses Jahr die Robo-Anbieter Visualvest (2019: 5. Platz), Whitebox (2019: 11. Platz), Minveo (2019: 18. Platz) und Oskar (2019: 3. Platz im Ranking der jungen Robos).

Die wichtigste Erkenntnis der Tester dieses Jahr lautet: Es gibt keinen durchgängig guten digitalen Vermögensverwalter, der in allen Börsenphasen hervorsticht. Einige Anbieter sind stark bei steigenden Kursen, andere Robo-Berater bewähren sich in fallenden Marktphasen als echte Könner. Das erklärt auch, weshalb sich die Rangfolge 2020 derart verändert hat im Vergleich zum Vorjahr.

Der Vorjahrestweite Solidvest landet diesmal auf Rang 6. Die Robo-Tochter von DJE Kapital hat zwar die Krise gut überstanden und erzielt zudem über mehrere Jahre sehr gute Renditen. Punktabzüge der Tester gibt es für Solidvest jedoch für Schwächen bei der durchschnittlichen Zwöfmonatsrendite. Deutlich schlimmer hat es den Münchner Anbieter Scalable Capital erwischt. Der Branchenprimus, gemessen am verwalteten Vermögen, stürzt von Rang 3 auf 15 ab. Das Scalable-System war für den scharfen Einbruch im März 2020 nicht vorbereitet, räumt Scalable-Gründer Erik Podzuweit laut Capital-Bericht ein. Daher hat der digitale Vermögensverwalter die Verluste des Corona-Crash voll mitgenommen und kommt schließlich mit der schlechtesten Bilanz aus dieser Phase. Scalable will nun sein System umstellen, um künftig besser auf heftige Marktschwankungen reagieren zu können.

Testsieger Liqid zeigt schließlich die beste Konstanz im Teilnehmerfeld mit insgesamt 23 Anbietern. Bei der Rendite belegt der digitale Vermögensverwalter zwar nur den siebten Rang. Auch in der Kategorie Service springt nur Platz acht heraus und bei der Wertung der Kosten vergeben die Tester sogar null Punkte. Dennoch erledigt Liqid im Querschnitt den Job der digitalen Geldanlage am besten, so Christian Apelt, Studienleiter des Analysehauses Tetralog,

Rang Robo-Advisor Rendite (12-Monatsdurchschnitt Juni 2018-2020, in Prozent) Gesamtpunkte (maximal 100)
1. Liqid 5,8 85,1
2. Visualvest 6,0 79,6
3. Whitebox 4,9 78,1
4. Minveo 4,8 76,9
5. Oskar 6,5 76,7
6. Solidvest 4,5 75,9
7. Bevestor 5,0 75,3
8. Growney 4,3 73,6
9. Investify 4,9 73,5
10. Fintego 6,4 73,3
11. Kapilendo 6,2 71,8
12. Savity 2,6 71,6
13. Cominvest 7,2 70,8
14. Robin 4,8 70,5
15. Scalable Capital 2,7 70,5
16. Warburg Navigator 4,0 70,3
17. Peaks 7,8 69,8
18. Quirion 1,9 67,8
19. Ginmon 4,1 66,3
20. Fyndus 4,8 64,4
21. Weltsparen 5,8 63,7
22. Monviso 4,5 57,7
23. Easyfolio 5,0 53,0
Stand Juni 2020  Quelle: Tetralog/Capital

Im Schnitt erzielen die Robo-Advisors eine Rendite von 4,97 Prozent über einen Zeitraum von zwölf Monaten. Als Testkunden schickte Tetralog dieses Jahr einen 45 Jahre alten, verheirateten und kinderlosen Angestellten ins Rennen, der für 15 Jahre 50.000 Euro zum Vermögensaufbau anlegen möchte. Dieser fiktive Kunde verfügt weiterhin über ein monatliches Einkommen von 5.000 Euro, wovon er 4.200 Euro ausgibt. Zusätzlich besitzt er ein liquides Vermögen von 100.000 Euro, das zu 80 Prozent in Wertpapieren und zu 20 Prozent auf einem Tagesgeldkonto liegt. Sein Wunsch ist ein Portfolio mit mittlerem Risiko.

 

Die ausführlichen Ergebnisse des 4. Rankings der digitalen Vermögensverwalter lesen Sie in der aktuellen August-Ausgabe der „Capital”.