UBS-Studie Wie Family Offices ihre Philanthropie neu ausrichten

Sarah Salomon, Leiterin Philanthropy bei UBS

Sarah Salomon, Leiterin bei UBS, sagt: „Philanthropie stärkt Sinnsuche und Einsatz für andere über Generationen hinweg." Bildquelle: UBS

Vermögende Familien richten ihre Kapitalströme stärker an messbaren sozialen und ökologischen Resultaten aus. „Philanthropie stärkt Sinnsuche und Einsatz für andere über Generationen hinweg, besonders als gemeinsame Praxis innerhalb der Familie“, sagt Sarah Salomon, Leiterin Philanthropie für den amerikanischen Raum bei UBS. Dabei kristallisieren sich eine erhöhte Governance, aktivere Eingriffe und ein stärkeres Miteinander zwischen Family Offices und Staaten heraus.

Trend 1: Family Offices professionalisieren Philanthropie

Philanthropie folgt verstärkt klar definierten Zielen, Kennzahlen und Governance‑Strukturen. Family Offices sollen die philanthropischen Aktionen dabei zentral steuern. Sie definieren Mandate, legen Berichtsstrukturen fest und verknüpfen Investitionen, Spenden und unternehmerische Aktivitäten mit dem Wertegerüst der Familie.

 

Rund 70 Prozent der Family Offices steuern Impact hausintern. Sie kombinieren Philanthrophie mit rechtlicher, steuerlicher und finanzieller Expertise. Einige Häuser binden zudem externe Spezialisten ein und koordinieren Partner aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um gemeinsame Projekte auf Portfolio‑Ebene voranzutreiben. 

Erfolgsabhängige Finanzierungen und Mischfinanzierung (Blended‑Finance‑Strukturen) kommen häufiger zum Einsatz. Standardisierte Impact-Messwerte bewerten Kapitalallokation nach überprüfbaren Resultaten.

Trend 2: Family Offices formen den Impact‑Markt aktiv

Führende Family Offices agieren nicht nur als Kapitalgeber, sondern als eigenständige Akteure. Sie stellen geduldig Kapital bereit, gehen bewusst frühe Risiken ein und nutzen ihre Unabhängigkeit von Quartalszielen. So unterstützen sie langfristige Projekte mit Einfluss.

Die Studie beschreibt ein erweitertes Verständnis von Vermögen. Neben Finanzanlagen berücksichtigen Familien Faktoren wie Humankapital, Netzwerke, Reputation, geistiges Eigentum und politischen Einfluss.Ein wachsender Anteil von Family Offices von global 27 Prozent kombiniert Stiftungen, Venture‑Investments und politische Einflussnahme.

Trend 3: Staatliche Anreize stärken Public‑Private‑Partnerschaften

In Singapur unterstützen die erweiterten Steuervorteile Investitionen von Vermögen in landeseigene Projekte. Hongkong befreit Family Offices von der Gewinnsteuer. Die Vereinigten Arabischen Emirate gründeten das Family Wealth Centre um hochvermögende Kunden und Family Offices langfristig zu binden.

 

In der Schweiz positionieren Initiativen wie die SDG Impact Finance Initiative (SIFI) öffentlich‑privat finanzierte Strukturen, die mit risikotolerantem Kapital bis zu 1 Milliarde CHF für wirkungsorientierte Investments mobilisieren sollen. In den USA öffnen Instrumente wie NY Green Bank und das Climate Catalyst Program in Kalifornien private Investoren den Zugang zu staatlich flankierten Klima‑ und Innovationsprojekten. Laut Studie beteiligen sich Family Offices verstärkt an solchen Anlage-Vehikeln, teilen Risiken mit der öffentlichen Hand und erhöhen die Skalierbarkeit ihrer Projekte.

Operative Konsequenzen für Family Offices

Die Studie leitet konkrete Handlungsschritte ab. Family Offices erweitern den Auftrag von isolierten Spendenaktivitäten hin zu mandatierten Impact‑Zielen über alle Vermögensklassen und Unternehmensbeteiligungen hinweg. Sie bauen strukturierte Prozesse für Projektprüfung, Partnerauswahl und Impact‑Messung auf und nutzen diese Prozesse auch als Differenzierungsmerkmal gegenüber konkurrierenden Anbietern im Multifamily‑Segment.

Zudem prüfen Family Offices Standorte systematisch auf regulatorische Anreize, Impact‑Ökosysteme und Zugang zu Co‑Investments und richten rechtliche und organisatorische Strukturen danach aus. Die Studie betont schließlich die Bedeutung der Rolle des Family Office als Bindeglied zwischen privatem Kapital und öffentlichen Prioritäten: Durch gezielte Beteiligung an Public‑Private‑Partnerschaften können sie sektorweite Entwicklungen mitprägen und Wirkung über die eigene Bilanz hinaus entfalten.

Die Studie speist sich aus mehreren Studien der UBS. Hierzu zählen der UBS Global Family Office Report, der UBS Family Office Quaterly. 

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