Goldman-Sachs-Umfrage 286 Versicherer entdecken neue Anlageklassen und erhöhen Risiko

Volker Anger

Volker Anger: Der Versicherungs-Spezialist rechnet damit, dass die Branche sich für eine wirtschaftliche Erholung positioniert Foto: Goldman Sachs

Goldman Sachs Asset Management hat die Ergebnisse seiner zehnten, jährlich weltweit ausgeführten, Versicherungsumfrage mit dem Titel „Running the Risks“ veröffentlicht. Angesichts der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Erholung und der Hoffnung, die Covid-19-Pandemie immer besser bewältigen zu können, haben sich Versicherungsunternehmen zu den wichtigsten Marktentwicklungen geäußert. Dazu zählen unter anderem der Anstieg der globalen Reflation, höhere Risikobereitschaft bei Aktien, festverzinsliche Anleihen und eine wachsende Bedeutung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekten (ESG).

Die Umfrage unter 286 Teilnehmern von Versicherungsunternehmen weltweit, die mehr als 13 Billionen US-Dollar an Bilanzvermögenswerten verantworten, was etwa der Hälfte des Bilanzvermögens des globalen Versicherungssektors entspricht, ergab, dass Versicherer sich in ihrer Suche nach Rendite sowohl auf chancenreiche festverzinsliche Assets und Aktien, als auch auf alternative Anlagen, beispielsweise Private Debt und Private Equity, konzentrieren. Gefragt, wie man das Gesamtrisiko in den kommenden zwölf Monaten gestalten wolle, antworteten global 34 Prozent, dass man mehr ins Risiko gehen möchte. Nur acht Prozent wollen das Risiko reduzieren.

Volker Anger, Leiter des Bereichs Versicherung Asset Management Dach-Region bei Goldman Sachs Asset Management dazu: „Obwohl die Pandemie weltweit Versicherungsunternehmen über alle Geschäftsbereiche hinweg betroffen hat, ist die Branche gut kapitalisiert – und positioniert sich für eine wirtschaftliche Erholung. Trotz der Unsicherheit, mit der wir immer noch konfrontiert sind, sehen wir, dass Versicherer mehr Anlagemöglichkeiten und weiter über die Risikokurve hinaus nach Chancen suchen – im Zuge sich verbessernder wirtschaftlicher Bedingungen.“

Im fünften Jahr in Folge hat die Berücksichtigung von ESG-Faktoren im Anlageprozess zugenommen. In diesem Jahr berücksichtigten 83 Prozent der Versicherer ESG-Faktoren in ihren Anlageprozessen, verglichen mit 32 Prozent vor nur vier Jahren. Dieser Zuwachs ist größtenteils auf die zunehmende Akzeptanz in Nord- und Südamerika zurückzuführen.

Zu den Kernergebnissen der Befragung zählen:

  • Globale Versicherer planen, das Gesamtrisiko in ihren Anlageportfolios deutlich zu erhöhen und ihre Allokationen in Private Equity, Middle Market Corporate Loans und Infrastructure Debt Allocations aufzustocken.

  • Die größten Sorgen für 2021 sind Marktvolatilität, eine wirtschaftliche Abschwächung in den USA und die globale Pandemie.

  • Die Mehrheit der Versicherer hat die Erwartungen aus den Vorjahren, dass sich die Kreditqualität verschlechtert, zurückgenommen – und rechnet größtenteils nicht mehr mit einer Rezession innerhalb der nächsten drei Jahre.

  • Die Versicherer betonen das Potenzial für eine Reflation, da sie für das Jahr 2021 mit einer kurzfristigen Inflation, einem anhaltenden Ausverkauf der Anleihen und einem globalen Wirtschaftswachstum rechnen.

  • Versicherer berücksichtigen weiterhin ESG in ihren Portfolios und ziehen auf digitalen Technologien basierende, innovative Unternehmen oder Konzepte mit kundenorientierten Versicherungsdienstleistungen, sogenannte Insurtech Investitionen zur Steigerung der operativen Effizienz in Betracht.