Smart Beta statt große Indizies J.P. Morgan AM strebt ins europäische ETF-Geschäft

Eingangszentrale am Hauptsitz von J.P. Morgan in New York. Der Vermögensverwalter der US-Bank will zukünftig auch in Europa ETFs auflegen. | © Getty Images

Eingangszentrale am Hauptsitz von J.P. Morgan in New York. Der Vermögensverwalter der US-Bank will zukünftig auch in Europa ETFs auflegen. Foto: Getty Images

J.P. Morgan Asset Management stößt auch in Europa ins Passiv-Geschäft vor: Der Vermögensverwalter der US-Bank J.P. Morgan will laut einer Sprecherin voraussichtlich noch im November zwei europäische ETF auf den Markt bringen, die an der Londoner Börse gelistet sein sollen.

Bei den beiden ETFs J.P. Morgan Equity Long-Short Ucits ETF und J.P. Morgan Managed Futures Ucits ETF handelt es sich um keine gewöhnlichen Indexfolger. Vielmehr verfolgen beide Produkte einen Hedgefonds-Ansatz. Jedoch ohne aktives Zutun: Das Fondsmanagement wird von Computern übernommen. J.P. Morgan reagiert damit auf die immer stärker werdende Nachfrage nach alternativen Anlagen, also nach Hedgefonds-Strategien, die es mittlerweile auch in Form von Ucits-konformen Publikumsfonds gibt.

„Wir können einen Computer darauf programmieren, dass er Strategien, für die Hedgefondsmanager vor einem Jahrzehnt hohe Gebühren verlangen konnten, genauso gut ausführt, wenn nicht besser“, zitiert die Börsen-Zeitung Bryan Lake, Leiter International ETF bei J.P. Morgan AM. Damit ist Lake auch schon bei dem schlagenden Argument, das Anleger momentan stark für Passiv-Investments einnimmt: dem Preis.  

„Möchten etwas Neues beitragen“

Viele deutsche institutionelle Investoren hätten alternative Strategien für sich entdeckt, wollten jedoch nach Möglichkeit an der Kostenschraube drehen, so Lake. Jeder Asset Manager hinterfrage derzeit seine Preise. Und auch der steuerliche Einfluss gerate ins Visier. „Ich glaube, die ganze Branche wird durch eine interessante Preisgestaltungsphase gehen müssen“, sagt Lake.

J.P. Morgan AM wolle das ETF-Geschäft weltweit langfristig strategisch aufbauen – allerdings mit einem besonderen Schwerpunkt: „Wir könnten Unmengen Produkte auf den Markt bringen, aber darum geht es uns nicht. Wir würden gerne etwas Neues beitragen“, so Lake.

Das bestätigte auch die Unternehmenssprecherin gegenüber unserem Portal: J.P. Morgan AM wolle nicht der Palette an ETFs auf große Indizes einfach weitere Produkte hinzufügen. Stattdessen setzt der Asset Manager auf Smart-Beta- und Alternative-Beta-Strategien. Investment-Ansätze, die bisher vor allem in aktiven Fonds angeboten wurden, sollen auf diese Weise auch im kostengünstigen ETF-Mantel erhältlich sein.

In den USA ist J.P. Morgan bereits seit mehreren Jahren im ETF-Geschäft aktiv. Nun möchte das Unternehmen entsprechende Produkte auch in Europa und im Asia-Pazifik-Raum auf den Markt bringen.