Herbert Walter über den deutschen Immobilienmarkt 17 Millionen suchen kein Zuhause

Herbert Walter, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Dresdner Bank

Herbert Walter, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Dresdner Bank

Wenn wir Eines schon heute wissen, dann dies: Wir Deutsche werden immer weniger. Im Jahr 2050 leben hierzulande vermutlich nur noch 65 bis 70 Millionen Menschen. Das sind bis zu 17 Millionen weniger als heute – mit großen Auswirkungen gesellschaftlich, aber auch auf Anlageentscheidungen.

Eine Größenordnung wie diese muss man sich einmal vorstellen: Gut 17 Millionen leben derzeit in Nordrhein-Westfalen, etwa 12 Millionen in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Diese Regionen menschenleer? Unvorstellbar.

So wird es natürlich nicht kommen. Aber fest steht, dass vor allem auf dem Land immer weniger leben wollen. Der Bevölkerungsschwund wird dadurch verstärkt, dass gleichzeitig  viele Menschen in die Städte ziehen oder in deren Umland,  den so genannten Speckgürtel.

Wer jetzt in von Entvölkerung bedrohten Gebieten lebt, muss sich Gedanken machen, was diese Entwicklung für ihn bedeutet, wenn er einmal Rentner oder Pensionär ist. Das berührt seine individuelle Altersvorsorge ebenso, wie das Angebot an öffentlicher Infrastruktur, das er gerne nutzen würde.

Mehr als die Hälfte des Vermögens der Deutschen besteht aus Immobilien

Mehr als die Hälfte des Vermögens der Deutschen besteht aus Immobilien. Bisher galt: Die eigenen vier Wände sind die beste Altersvorsorge. Eigenes Heim, Glück allein – diese alte Weisheit wird künftig nur noch mit Einschränkungen gelten. Ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung in einer ländlichen Umgebung ist in Gebieten mit schrumpfender Bevölkerung weder ein wirksamer Inflationsschutz, noch ein wirkliches Ruhekissen fürs Alter. Denn die Immobilienpreise werden in diesen Gegenden wegen der zurückgehenden Nachfrage zwangsläufig sinken müssen. Sicherlich wird es in zwanzig bis dreißig Jahren auch dazu kommen, dass in manchen Gegenden Häuser oder Wohnungen überhaupt nicht verkäuflich sind.

Das aber darf man nicht verallgemeinern. Natürlich wird es auch außerhalb von Ballungsräumen Gebiete geben, in denen die Bevölkerung nicht oder nur wenig abnimmt. Aber das sollte jeder, der in einer ländlichen Umgebung eine Immobilie kauft, schon heute sorgfältig prüfen.

Wer das will, kann das relativ problemlos  tun. Es gibt im Internet ausführliche Statistiken, die Trends zur regionalen oder lokalen Entwicklung der Bevölkerung aufzeigen. Wer diese Informationen bei seiner Entscheidung zu Rate zieht, weiß dann wenigstens ziemlich genau, worauf er sich einlässt. Weil die Bedürfnisse der Menschen so unterschiedlich sind, werden einige sogar von dieser Entwicklung profitieren, zum Beispiel die, die viel Platz, Ruhe und Abgeschiedenheit lieben.