„Zwischen unseren Positionen und denen des Arbeitgeberverbands AVR liegt nicht nur eine große Lücke, sondern gleich eine ganze Schlucht“, resümiert Stephan Szukalski, Bundesvorsitzender des Deutschen Bankangstellten Verbands (DBV) über die zweite Tarifrunde der Volks- und Raiffeisenbanken am 12. Februar. Das Angebot des Arbeitgeberverbands der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (AVR) sei „realitätsfremd“, weshalb es der DBV „umgehend mit klaren Worten abgelehnt“ habe.
Die Angestellten der Volks- und Raiffeisenbanken verlangen höhere Gehälter. Ab dem 15. Januar versucht der DBV diese Forderung gegenüber dem Arbeitgeberverband AVR durchzusetzen.
Die erste Tarifrunde verlief ohne Arbeitgeberangebot. Das kam laut Aussage des DBV nicht unerwartet, aber dennoch enttäuschend. Der Verhandlungsführer des AVR, Jürgen Kikker, verwies auf die sich eintrübende Wirtschaftslage. Ein „deutlich höherer Tarifabschluss“ sei angebracht, müsse aber „sorgfältig austariert“ werden.
Ein Gehaltsangebot sollte es daher erst in der zweiten Verhandlungsrunde am 12. Februar geben. Folgendes Angebot legte der AVR vor:
Das Angebot des AVR:
- 4,5 Prozent Erhöhung zum 01.05.2025
- 3 Prozent zum 01.07.2026
- 2,5 Prozent zum 01.06.2027
- 200 Euro Erhöhung der Azubi-Vergütungen in zwei Stufen
- Erhöhung der Tarifgruppe VG C2 auf das Niveau der TG 8
- Laufzeit von 32 Monaten
Zum Vergleich: die Hauptforderungen des DBV
- 13,45 Prozent Gehaltserhöhung auf zwölf Monate
- weitere 1,3 Prozent Erhöhung auf je sechs Monate für längere Laufzeiten, maximal 24 Monate
- 350 Euro Erhöhung der Azubi Vergütungen
- Übernahmegarantie für ausgelernte Auszubildende bis Ende 2026
- Nachbesserungen der Tarifreform 2019
Die Forderung nach einem Gehaltsplus von 13,45 Prozent über ein Jahr ergab sich aus einer Online-Befragung, an der 15.905 Mitglieder des DBV teilgenommen haben.
DBV-Vertreter „sehr enttäuscht über das realitätsferne Angebot“
„Ich bin sehr enttäuscht über das realitätsferne Gehaltsangebot. So gewinnt und hält man keine Fachkräfte“, sagte DBV-Verhandlungsführer Stefan Griggel von der Ostfriesischen Volksbank zum Angebot des AVR.
Die Gehaltsschritte, die deutlich unter anderen Teilbranchen liegen würden und die zu langen Laufzeiten, die der AVR vorschlägt, passen aus Sicht des DBV nicht in die heutige Zeit. Schon jetzt hätten Häuser Problem Beschäftigte zu gewinnen oder zu halten.
„Die dritte und letzte (?) Tarifrunde am 17. und 18. März ist heute nicht einfacher geworden“, sagt Szukalski. Zwischen den Positionen der Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter liege eine Schlucht.
Darüber wurde in der ersten Verhandlungsrunde diskutiert
Neben der Gehaltserhöhung setzt sich der DBV auch für eine Anpassung der Tariftabelle ein. Darüber wurde gestern diskutiert. Szukalski dazu: „Nach intensiven Diskussionen, die sich über gesamte zweite Halbjahr 2024 hinzogen, scheint auch beim AVR eine gewisse Bereitschaft zu Anpassungen gereift zu sein.“ Allerdings seien noch „etliche Details“ zu klären.
Der AVR setzte sich zudem für die Öffnung für selbstbewählte Samstagsarbeit ein. Der DBV ist zwiegespalten. Szukalski: „Uns ist bewusst, dass sich Teile der Beschäftigten dies wünschen. Wir sehen aber auch erhebliche Missbrauchsgefahr. Unsere Tarifkommission lehnt eine solche Öffnung daher ab.“
DBV-Bundesvorsitz Szukalski war vor zweiter Tarifrunde noch vorsichtig optimistisch
„Wir werden sehen, was davon umsetzbar ist, sind aber guter Dinge, dass zumindest ein Teil unserer Vorstellungen realisiert werden kann“, schreibt Stephan Szukalski in einem Schreiben Anfang Januar an die Gewerkschaftsmitglieder.
Vorbereitet auf die Tarifverhandlungen haben sich der DBV und der AVR bereits in den vergangenen Monaten mit drei Workshop-Gesprächen, in denen sich die Interessenvertreter nach eigenen Angaben „fachlich intensiv ausgetauscht“ haben.
„Gut vorbereitet hoffen wir nun auf eine schnelle und materiell gute Tarifrunde“, so Szukalski im gleichen Schreiben. Diese Hoffnung scheint nun zerschlagen.
In den vergangenen Monaten wurden bereits neue Tarife für die Angestellten der öffentlichen Banken und der privaten Banken ausgehandelt.