10 Schritte, 100 Tage Wie sich Family Offices für die digitale Zukunft rüsten können

Seite 4 / 11

3. Moderne Prozesse (walking the talk)

Wer auf LinkedIn versucht, die digitalen Talente anzulocken und Headhunter beschäftigt, um die Besten der Branche von sich zu überzeugen, sollte zugleich die digitale Transformation in den Arbeitsprozessen mit aller Kraft vorantreiben. Es haben nämlich schon etliche Unternehmen Neueinstellungen damit geködert, sie dürften total agil sein und würden nur mit aktuellsten, modernsten Tools arbeiten – und damit Versprechen abgegeben, die sie nicht erfüllen konnten (oder wollten). Junge, digital-affine Talente sind aber noch vor Ende der Probezeit weg, wenn sie merken, dass es eine Diskrepanz gibt zwischen dem Eindruck, den der Arbeitgeber anfangs vermittelt hat, und der Realität im Betrieb. „It’s no good just talking the talk“, wie unsere amerikanischen Freunde so schön sagen, „you gotta walk the walk.“

Um Klartext zu reden: In den meisten Family Offices wird eben immer noch nicht mit modernen Tools gearbeitet. Videotelefonie und dezentrales Arbeiten sind Hygienefaktoren geworden. Viel wichtiger ist aber, den Dealflow in zeitgemäßen SaaS-Lösungen abzubilden, statt noch immer auf Excel zu vertrauen. Und die Cloud darf nicht wegen Sicherheitsbedenken als großes Problem gelten, sondern sollte nun endlich die gestrige Dokumenten-Logik mit Herlitz-Ordnern ablösen.

 

Was ist zu tun? Die ersten 100 Tage der Transformation sollten zum Anlass genommen werden, neue Technologien einzuführen. Die neuen Bewerber können dabei direkt einbezogen werden: „Wir wollen die Art, wie wir arbeiten, von Grund auf verändern – und du kannst uns dabei helfen. Wir wollen die Vorzüge von digitalen Cloud-Tools entdecken. Wir werden eine Pipeline-Software einführen, um unseren Dealflow zu tracken sowie CRM-Tools für den Aufbau und die Pflege des eigenen Netzwerks und Kommunikations-Tools wie Slack. Wann immer möglich, auch KI-basiert, versteht sich. Um Due-Diligence-Prozesse zu vereinfachen, wollen wir kollaborative Tools wie Google Drive oder Projektmanagement-Software wie Asana benutzen. Um den Überblick zu behalten, möchten wir ein Live-Dashboard mit den wichtigsten KPIs der Portfoliounternehmen einrichten. Wir brauchen dich, um diesen spannenden Wandel mit uns voranzutreiben – und uns dabei helfen, agiler zu arbeiten und Wissensinseln aufzulösen.“

Das ist ehrlich – und zeigt den Bewerbern, wie viel Gestaltungsspielraum sie haben werden. (Und ja, in der Digital-Welt wird geduzt.)

Ziel für die ersten 100 Tage: Etappenziele auf dem Weg zu modernerem Arbeiten definieren und kommunizieren – nach innen und nach außen – und diese konkreten Schritte zur Änderung der Arbeitsprozesse konsequent gehen.