Trotz Finanzkrise „Die meisten Hochvermögenden sind unvermindert risikobereit“

Yvonne Brückner ist Professorin an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg der Sigmund Freud Privatuniversität und leitet das Family Office Panel

Yvonne Brückner ist Professorin an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg der Sigmund Freud Privatuniversität und leitet das Family Office Panel

Wir leben in spannenden Zeiten. Die Gegenwart zeigt sich von vielfältigen Instabilitäten durchzogen, die Zukunft liegt angesichts geografisch wie sektoral unbegrenzter Interdependenzen weitgehend im Nebel. Angesichts dessen gilt es für Hochvermögende leistungsfähige Strategien zu erarbeiten, um im Krisenfall über eine klare, disziplinierende Leitlinie zu verfügen. Diese muss notwendigerweise auf dem individuellen Minimum aus finanzieller und mentaler Risikotragfähigkeit basieren. Aus zwei in den hard facts identischen Vermögen resultieren logischerweise keine grundsätzlich identischen Strategien.

Einheitlich sollten diese aber auf Diversifikation setzen – und zwar auf mehreren Ebenen. Dass die Streuung der Vermögensanlagen als wertvoll empfunden wird, bestätigen die Aussagen vieler Hochvermögender: Diversifiziert aufgestellt sind sie mehrheitlich unvermindert risikobereit und suchen gezielt das fundiert bewertete Wagnis. Vermögende mit ausgeprägtem Klumpenrisiko im Vermögensmix – typischerweise in Form eines Familienunternehmens – zeigen sich weniger risikobereit als in Vorkrisenzeiten. Wohl dem also, dem möglich ist zu diversifizieren.

Nicht zuletzt aus Risikoabwägungen heraus legen Hochvermögende freies Kapital verstärkt in Sachwerte an. Neben Aktien haben direkte Immobilieninvestments und unternehmerische Direktbeteiligungen an Gewicht gewonnen. In anderen Anlageklassen indes gibt es weniger eindeutige Trends. Doch Vorsicht ist geboten: Auch in den derzeit beliebten und vermeintlich besonders beherrschbaren Anlagen schlummern Risiken. Wo eigene Kompetenzen fehlen, besteht das nicht unerhebliche Risiko, charismatischen Verkäufern auf den Leim zu gehen. Gerade bei den vielerorts gesuchten „kompetenzschonenden“ Club Deals empfiehlt sich ein zurückhaltendes Vorgehen, solange keine auf eigenen Erfahrungen basierende Vertrauensbeziehung besteht.

Anlagenotstand und der Wunsch nach Partizipation dürfen nicht zulasten einer kompetenten und kritischen Bewertung gehen. Das für die finale Entscheidung oft maßgebliche Bauchgefühl bedarf eines soliden rationalen Fundaments. Neben Prüfkompetenz sollte dieses in einem eigenen Ohr am Markt bestehen. Informationsasymmetrie ist ein nach wie vor gewichtiges, nicht selten unterschätztes Problem, um übergeordnete Vermögensziele zu erreichen. Hier hilft kluger Austausch gänzlich abseits vertrieblicher Interessen.

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Über die Studie und die Autorin:
Jährlich erhebt das Family Office Panel, das künftig als Teil des neu gegründeten Instituts für Gesamtvermögensstrategien Res Futura agiert, Daten zu strategischen Erfolgsfaktoren und Vermögensfragen Hochvermögender. Das Institut stellt die Erkenntnisse Kooperationspartnern und Vermögensträgern zur Verfügung und organisiert Fachdialoge. Interessierte sind zur Kooperation eingeladen.

Geleitet werden das Institut und der assoziierte Vermögensträgerclub durch Yvonne Brückner, die als Professorin an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Gastprofessorin an der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien tätig ist. Aus den bisherigen Aktivitäten des Family Office Panels ging auch die Gründung des Berufsverbandes für unabhängige Family Offices (Vufo) hervor. Nähere Informationen unter www.fo-panel.de