Fussball-Zertifikat von Ecotonian „Die Transparenz ist der Wahnsinn“

„Ein Anleger sagte, dass wir aus einem sehr emotionalen Investmentthema ein fast langweiliges Investmentprodukt gemacht hätten“, erzählt Christian Kruse, Partner der Investmentboutique Ecotonian. Für ihn und seine Kompagnons Egon Habicher und Tony Blaser ist das ein Kompliment. Aufgelegt haben die drei das Zertifikat Impact Sport Securisation für professionelle Investoren.

Verbrieft werden Forderungen auf TV-Gelder der Fußballvereine aus der englischen Premier League. Egon Habicher erklärt die Besonderheiten: „Die Premier League, zentrale Vermarktungsgesellschaft der ersten Liga, hat für den Zeitraum 2014 bis 2017 mit den Fernsehanstalten Sky und BT einen Erlös von umgerechnet 6 Milliarden Euro für die TV-Rechte ausgehandelt. Jeder Verein bekommt daraus vertraglich zugesichert jährlich mindestens 78 Millionen Euro.

Die Ansprüche auf diese Gelder sind das Underlying unseres Zertifikats, sind unsere Sicherheit.“ Das Problem der Vereine ist, dass sie bis auf kleine Teilzahlungen erst am Saisonende Zugriff auf die Gelder haben. Insofern besteht ein Bedarf an Liquidität mit einer Laufzeit von meist 6 bis 12, maximal 24 Monaten.

Wichtig ist die Dreiecksbeziehung zwischen Ecotonian, Premier League und den Vereinen. „Jeder Verein hat jährlich ein Lizenzierungsverfahren zu durchlaufen, um in der Premier League spielen zu dürfen. Das macht die Liga-Gesellschaft zur Finanzaufsicht der Clubs“, erklärt Kruse. „Gleichzeitig ist es ihre Aufgabe, die Vereine neben dem Marketing und Spielbetrieb auch im Finanziellen zu unterstützen. Daher steigt sie vertraglich als Drittpartei zwischen Ecotonian und den Vereinen ein und besichert mit den künftigen Geldern aus den TV-Rechten die Liquiditätsfinanzierung.

Dabei kontrolliert die Premier League das Vertragswerk komplett.“ Für Kruse und Kollegen ist Letzteres ein Vorteil. Als von der Premier League anerkannter Partner haben sie die Möglichkeit, von der Drittbesicherung zu profitieren. Allein die Höhe, die Laufzeit und der schuldende Verein ändern sich. Sie und ihre Londoner Anwälte müssen daher nicht einen Wust von Einzelverträgen überblicken. Ergebnis für die Anleger: Sie sollen jährlich eine Rendite von 6 bis 7 Prozent erhalten. Etwas kostet die Absicherung des Pfunds gegenüber dem Euro. Ein Prozent behält die Schweizer Investmentboutique als Verwaltungsgebühr ein.

Kruse, Habicher und Blaser versuchen, möglichst viele Risiken auszublenden oder zumindest zu minimieren. Ein Ausfallrisiko gibt es nicht, da die Finanzierungen dank des Anspruchs der Vereine auf die TV-Gelder besichert sind. Theoretisch bestünde nur dann eins, wenn Ecotonian ihre Investments pro Verein jenseits der 78 Millionen Euro vornähme.

Kruse beschwichtigt: „Wir machen nur Verträge in der Größenordnung von einer oder 5, maximal 15 Millionen Euro. Bei unserem Emissionsvolumen von 250 Millionen Euro wären größere Deals allein wegen des Klumpenrisikos nicht sinnvoll. Zudem würde das die Premier League nicht zulassen.“ Selbst für den Fall, dass ein Club aus der Premier League absteigt, gibt es einen finanziellen Notfallschirm.

Die Premier League gewährt ihm über die nächsten vier Jahre nach dem Abstieg das Anrecht auf 66 Millionen Euro TV-Gelder. Auch ein Emittentenrisiko gibt es nicht, da Ecotonian die Zertifikate nach Luxemburger Verbriefungsrecht auflegt und die Zertifikate, ähnlich wie Investmentfonds in Deutschland, als Sondervermögen gelten.

Welche Risiken bleiben? Kruse erklärt: „Theoretisch könnte ein Fußballclub natürlich pleitegehen. In einem solchen Fall würden wir unser Investment verlieren, wenn der Verein komplett aufhört zu existieren.“ Bisher ist das in der 22-jährigen Geschichte der Premier League aber noch nicht vorgekommen. Ganz im Gegenteil: „Die Premier League hat ein Eigeninteresse an der Solidität der Vereine und über die Lizenzierungsverfahren ein ständiges Auge auf die Bilanzen.

Es gibt keine Fußballliga, die so reguliert und letztlich transparent ist wie die Premier League. Jedes Jahr gibt es eine seriöse Studie von der Beratungsfirma Deloitte, in der die Vereine ihre Geschäftszahlen offenlegen“, erläutert Egon Habicher. „Die Transparenz ist der Wahnsinn.“ Zweites Restrisiko sei die Gefahr, mal nicht ausreichend Investitionen
zu  finden. Fortlaufend muss Ecotonian für das Zertifikat neue Finanzierungen vergeben, um vollinvestiert zu sein.

Kruse: „Allerdings sind die 250 Millionen, die wir über die Zertifikate im Markt platzieren, eine kleine Summe im Vergleich zum Volumen der TV-Rechte von 6 Milliarden Euro.“ Das Risiko, dass sie über einige Monate keine Finanzierungsprojekte finden könnten, sei daher nahezu null. Am Ende sind Kruse, Habicher und Blaser Risiko-Minimierer. Aus dem oft emotionalen Investmentthema Fußball haben sie ein solides Investmentprodukt gemacht.

Dreiecksbeziehung: Ecotonian vergibt Liquidität an die Fußballvereine, die Anrechte auf TV-Gelder von der Premier League besitzen. Letztere wiederum garantiert Ecotonian die Rückzahlung