Die neuen Zinsen „Eine hohe Dividendenrendite ist oftmals ein schlechtes Zeichen“

Eine Studentin mischt Duftstoffe in einem Labor der Parfüm-Schule von Givaudan, dessen klare Dividendenpolitik der Manager des Blackrock European Equity Income, Andreas Zöllner, schätzt | © Getty Images

Eine Studentin mischt Duftstoffe in einem Labor der Parfüm-Schule von Givaudan, dessen klare Dividendenpolitik der Manager des Blackrock European Equity Income, Andreas Zöllner, schätzt Foto: Getty Images

Es wird Regen geben. Einen Milliarden-Regen, der auf Aktionäre herniederprasseln wird. Die Dividendensaison ist am Laufen und wird sich noch ein paar Wochen hinziehen. Und sie zeigt einmal mehr: Aktien sind eine Form der Geldanlage, die noch viel wichtiger geworden ist als – sagen wir – vor zehn Jahren.

Warum? Ganz einfach: Weil es kaum noch Zinsen gibt. Und noch schlimmer: Inzwischen bekommt man nicht nur keine Zinsen, wenn man Geld sicher anlegen will, man zahlt sie sogar. In sechs europäischen Ländern liegen die Renditen für fünfjährige Staatsanleihen inzwischen unter null. Schaut man sich hingegen den Aktienmarkt an, finden sich dort allein bei ganz normalen Standardwerten jährliche Dividendenausschüttungen von 2 Prozent und häufig deutlich mehr.

So schätzt das „Handelsblatt“, dass Unternehmen in der Eurozone auf 800 Milliarden Euro Cash sitzen. Dieses Geld komplett zu investieren, dazu fehlt derzeit die wirtschaftliche Perspektive. Es auf Konten zu horten, ist teuer geworden, seit die Zentralbank den Zins für Guthaben unter null drückte und Banken allzu hohe Giroguthaben zunehmend auf die gleiche Weise bestrafen. Also ist tatsächlich zu erwarten, dass vieles davon als Dividende an Anleger fließt.

In ihrer jährlichen Studie gehen die Analysten der DZ Bank davon aus, dass die Unternehmen des H-Dax in diesem Jahr 37 Milliarden Euro ausschütten werden. Das sind 11 Prozent mehr als im Vorjahr und absolut betrachtet so viel wie nie zuvor. Für ganz Europa rechnen die DZ-Banker damit, dass die Dividenden um etwa 6 Prozent pro Jahr steigen.

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Ähnliches passiert in Amerika. Auf fast 1,4 Billionen Dollar Bargeldbeständen sitzen die Unternehmen des S&P 500, fand man bei Mainfirst heraus, Banken nichteingerechnet. Die Quote des Free Cashflow – das ist der Betrag, der für Dividenden und Kreditrückzahlungen zur Verfügung steht – steige seit den 70er Jahren recht stetig. Inzwischen sind gut 8 Prozent der Umsätze „free“. Anfang der 80er Jahre waren es noch zwischen einem und 3 Prozent.

Bei Mainfirst setzt man übrigens auch auf den Dividendentrend und verpflichtete den Spezialisten Thomas Meier, der schon vier Jahre lang für die Deka Dividendenfonds managte. Sein neuer Mainfirst Global Dividend-Stars sol im Mai 2015 auf den Markt kommen. Darin darf er weltweit nach guten Dividendenzahlern suchen, ohne auf eine Benchmark achten zu müssen.

In einer weiteren Studie ermittelten die Verantwortlichen von Smart-Invest, dass 5 der 30 Dax-Unternehmen und 16 der 50 M-Dax-Unternehmen über 10 Prozentihrer Bilanzsumme auf Girokonten liegen haben. 70 Prozent der Dax- und 74 Prozent der M-Dax-Konzerne werden in diesem Jahr eine höhere Dividende zahlen als 2014, heißt es weiter. Smart-Invest baute am 1. August 2012 seinen Dachfonds Smart-Invest Superfonds komplett um. Seitdem heißt er Dividendum AR (WKN: A0JMXF) und ist ein globaler Dividendenfonds mit flexibler Anlagequote und Absicherungskomponente.

Deutsche verkaufen Aktien

Es ist schwierig, sich den rosigen Aussichten zu entziehen, die Unternehmen ankündigen. Und doch scheint der warme Regen an deutschen Anlegern vorbei zuziehen. Noch immer ziehen sie aus reinen Aktienfonds netto Geld ab. Im vergangenen Jahr gab es erneut 500.000 Aktionäre weniger in Deutschland als ein Jahr zuvor, fand das Deutsche Aktieninstitut heraus. Nur 8,4 Millionen Deutsche, das sind 13,1 Prozent der über 14-Jährigen, haben mit Aktien zu tun.

In einem Punkt sind sich erfolgreiche Dividendenfondsmanagereinig: Bei einem umsichtig gemanagten Dividendenportfolio kommt es mitnichten nur auf die Höhe der Dividende an. Im Gegenteil: „Eine hohe Dividendenrendite ist oftmals ein Zeichen, dass das Unternehmen in Schwierigkeiten steckt oder nur begrenzte Wachstumsaussichten hat“, warnt Stuart Rhodes, der mit dem 11,7 Milliarden Euro schweren M&G Global Dividend eines der erfolgreichsten Produkte auf dem Marktmanagt.

Eine Aktie kommt für ihn nur infrage, wenn er Vertrauen in die zukünftigen Dividendenströme hat. Zudem muss die Aktie günstig bewertet sein. „Das ist wichtig, um sicherzugehen, dass wir auch wirklich gute Investments und nicht nur gute Unternehmen haben“, so der Fondsmanager.

3,5 bis 4 Prozent sind angemessen

„Nehmen wir als Beispiel die Banco Santander mit einer Dividendenrendite von 10 Prozent. Sie musste sie kürzen, weil sie sich eine so hohe Ausschüttung nicht mehr leisten kann“, berichtet Michael Fraikin. Der Fondsmanager, der bei Invesco in Frankfurt den Bereich Quantitative Strategies leitet, hält für ein ausgewogen gemanagtes europäisches Dividendenportfolio eine Rendite von 3,5 bis 4 Prozent für angemessen: „Bei einem höheren Wert ist das Risiko, dass etwas schiefgeht, zu groß.“ Je sorgfältiger man auf Dividenden und das Finanzgerüst dahinter schaut, desto sicherer ist man unterwegs.

Wie falsch man mit der reinen Sicht auf die Dividendenhöheliegen kann, zeigt noch immer das Jahr 2008. Bis dahin galten Banken als zuverlässige Dividendenzahler, jedes Jahr etwas mehr. Das änderte sich mit der Finanzkrise, als Banken ihre Dividenden kürzten oder gar pleitegingen. Entsprechend überdurchschnittlich stürzten Dividendenindizes ab, die Aktien nur nach der Dividendenrendite gewichtet hatten. Damals brauchte der Manager eines Dividendenfonds nur Banken misstraut zu haben, um einen Dividendenindex zu schlagen.

Etwas schwieriger ist es, sich heute als aktiver Managergegenüber dem Markt zu behaupten. Stephen Thornber etwa verzeichnete im vergangenen Jahr einigen Gegenwind: „2014 führte die Begeisterung von Anlegern für Risiko und Wachstum dazu, dass Aktien mit niedriger oder ganz ohne Dividende überdurchschnittlich gut liefen“, sagt der Manager des Threadneedle Global Equity Income. Beispiele seien Apple und das Biotech-Unternehmen Gilead.

Eine Investmentstory im Threadneedle-Fonds sind Fondsgesellschaften für Alternative Investments. Sie sind Hauptnutznießer, wenn Anleger auf der ganzen Welt vor niedrigen Zinsen in ausgefeilte Anlagestrategien fliehen. Im März 2012 kaufte Thornber die Aktie des Vermögensverwalters Blackstone und hält sie noch immer. Seitdem legte das Papier über 240 Prozent zu, inklusive Dividenden. Der S&P 500 schaffte lediglich 88 Prozent.

Es sind über alle aktiv gemanagten Fonds hinweg immer die gleichen Fragen: Wie nachhaltig ist die Dividende? Kann das Unternehmen sie steigern? Verausgabt sich das Unternehmen mit der Dividende? Häufig gelten zudem für verschiedene Branchen verschiedene Maßstäbe. „Eine Tabakfirma darf ruhig 70 Prozent ihrer Gewinne ausschütten. Bei einem Automobilkonzernwären mehr als 40 Prozent schon mutig“, zitiert „Fonds Professionell Online“ Thomas Schüßler, Manager des DWS Top Dividende. In einer so zyklischen Branche sei es sonst nicht möglich, die Dividende über längere Zeit stabil zu halten.